Wie man eine Leuchtturm-Rundreise plant
Die Küste als Reiseziel
Eine Leuchtturm-Rundreise ist eine besondere Art des Reisens: Man folgt der Küstenlinie als geografischem Leitfaden und organisiert die Reise um konkrete Punkte herum, von denen jeder eine eigene Geschichte hat. Im Gegensatz zu einer Städtereise gibt es kein Zentrum – das Reisen selbst, die Küstenstraße, der Wechsel von Landschaft und Meeresfarbe, ist ein wesentlicher Teil der Erfahrung.
Die dichtesten Leuchtturmküsten der Welt befinden sich in Regionen, die historisch starken Seehandel oder gefährliche Fahrwasser hatten: die Outer Banks in North Carolina, die Küste von Maine, Cornwall und die Scilly Isles in Großbritannien, Bretagne in Frankreich, die deutsche Nordseeküste, Finnland mit seinen Schäreninseln, die dänische Westküste. Jede dieser Regionen bietet genug Material für eine mehrtägige oder mehrtägige Reise.
Vorarbeit: Quellen und Karten
Vor dem Aufbruch lohnt sich gründliche Vorbereitung. Die wichtigsten Werkzeuge sind Seekarten oder touristische Leuchtturmführer der Region sowie Onlinedatenbanken wie die des ARLHS (Amateur Radio Lighthouse Society) oder der Lighthouse Digest. Für Europa bietet die Datenbank des ALK (Association of Lighthouse Keepers) sehr vollständige Angaben. Die interaktive Karte zeigt die Verteilung aller OpenStreetMap-erfassten Leuchttürme und ist ein guter Ausgangspunkt, um die Dichte in einer Zielregion zu erkunden.
Man sollte für jeden geplanten Leuchtturm folgende Informationen recherchieren: Eigentümer und Verwaltung (privat, staatlich, Trustverwaltung), Zugangsstatus (öffentlich, eingeschränkt, nur Außenbesichtigung), Öffnungszeiten falls zutreffend, und die nächste Parkingmöglichkeit. Offshore-Leuchttürme, die auf Inseln oder Riffen stehen, sind per Boot erreichbar und erfordern zusätzliche Planung.
Die Route strukturieren
Das Rückgrat einer Leuchtturm-Rundreise ist die Küstenstraße. Man plant die Route als Band entlang der Küste und identifiziert Leuchttürme als Wegpunkte. Pro Tag sind je nach Region und Fahrstrecke drei bis fünf Leuchttürme realistisch; für jeden sollte man 45 Minuten bis zwei Stunden einplanen, je nachdem ob man nur außen schaut oder eine Führung mitmacht.
Für die Outer Banks in North Carolina ist die Route klar: US-1 und Highway 12 führen die Inselkette von Norden nach Süden entlang. Currituck Beach Lighthouse (Baujahr 1875, 59 Meter hoch, unverputzter roter Backstein) im Norden; Bodie Island Lighthouse (1872, schwarz-weiß gebändert, 48 Meter) in der Mitte; Cape Hatteras Lighthouse (1870, schwarz-weiß-spiralförmig, 58,7 Meter, bis Ende Oktober täglich besteigbar) weiter südlich; und Ocracoke Lighthouse (1823, vollständig weiß, 24 Meter) am Ende der Inselkette. Letzterer erfordert eine Fähre von Hatteras und gibt dem Tag einen anderen Rhythmus.
Für Cornwall in England bietet sich eine Ringfahrt ab Penzance an. South Lighthouse Lizard Point, das südlichste Festlandfeuer Großbritanniens (1751, neugebaut 1903); Wolf Rock Lighthouse auf dem gleichnamigen Riff, nur per Fähre oder Charterboot aus Penzance anzuschauen; Longships Lighthouse auf der Felsgruppe vor Land's End (Sichtweite von der Küste aus); Pendeen Lighthouse (1900) an der nördlichen Küste; und Trevose Head Lighthouse (1847) auf dem gleichnamigen Kap.
Timing und Jahreszeiten
Der beste Zeitpunkt für eine Leuchtturm-Rundreise hängt von der Region ab. Für die Outer Banks gilt: Frühherbst (September/Oktober) kombiniert gutes Wetter mit weniger Touristenverkehr. Cape Hatteras ist in der Saison besteigbar; die Türme der National Park Service-Leuchttürme öffnen von Mitte April bis Columbuswochenende (Anfang Oktober).
Für Cornwall in England ist der Frühsommer (Mai/Juni) ideal: Das Licht ist lang, die Wege nicht überfüllt, und die Meeresfarben sind auf ihrem Höhepunkt. Im Winter ist die Küste dramatisch, aber viele Besucherzentren haben eingeschränkte Öffnungszeiten.
Für Finnland, wo die Leuchttürme auf Schäreninseln verstreut sind, ist der Sommer die einzige praktische Reisezeit – viele Inseln sind nur per Schiffsverbindung erreichbar, die von Mitte Juni bis August betrieben werden. Der Leuchtturm Bengtskär, 1906 auf einer kleinen Granitinsel gebaut und seit 2000 als Gästehaus geöffnet, ist eines der eindrucksvollsten Ziele in der finnischen Schärenwelt; der Turm ist 52 Meter hoch und sein Licht sendet alle zehn Sekunden einen weißen Blitz mit einer Reichweite von 23 Seemeilen.
Besteigung und Zugang
Nicht alle Leuchttürme sind besteigbar. Viele aktive Feuer stehen unter der Verwaltung der jeweiligen nationalen Leuchtturmbehörde und sind aus Sicherheitsgründen für die Öffentlichkeit gesperrt. Für Türme, die man besteigen kann, gilt: Man sollte Tickets wenn möglich vorab online buchen, besonders in der Hochsaison. Cape Hatteras begrenzt die tägliche Besucherzahl; auch das Ponce de León Inlet Lighthouse in Florida, das besteigbar ist, verlangt Eintritt und hat begrenzte Zeitfenster.
Für Türme, die sich nicht besteigen lassen, ist der äußere Standpunkt oft trotzdem lohnend: Die Lage auf einem Kap oder Felsen, der Ausblick aufs Meer, das architektonische Detail – Galerien, Laternenhäuser, Nebengebäude – und die Möglichkeit, das Licht nach Einbruch der Dunkelheit aus der Nähe zu beobachten. Ein Leuchtturm in Betrieb zu sehen, seinen Rhythmus zu zählen und seine Kennung zu identifizieren, ist ein kleines, befriedigendes Stück nautisches Wissen.
Übernachten in oder bei Leuchttürmen
Eine besondere Kategorie der Leuchtturm-Reise ist die Übernachtung. In Großbritannien, Skandinavien, Irland und an einigen amerikanischen Küsten gibt es historische Leuchtturmgebäude, die zu Ferienhäusern oder kleinen Gasthäusern umgebaut wurden. Das Keepers' Cottage am Strathy Point Lighthouse in Sutherland, Schottland, gehört National Trust for Scotland und kann gemietet werden. Das Leuchtturm-Hotel auf der dänischen Insel Anholt liegt mitten in einer Wildschutzzonen-Küste.
Diese Unterkünfte sind ausgebucht, oft monatelang im Voraus. Eine Nacht in einem Leuchtturmgebäude – mit dem Blitzen des aktiven Feuers als Schlummerlicht – ist für viele der Höhepunkt einer Leuchtturm-Reise.
Praktische Hinweise
Gutes Fernglas ist unverzichtbar, besonders für Offshore-Türme, die man vom Festland aus beobachten will. Eine Seekarte der Region ist nützlich, nicht nur für die Navigation, sondern um die Bedeutung jedes Feuers im Kontext der Seefahrtsrouten zu verstehen. Wetterfeste Kleidung ist an exponierten Kaps auch im Sommer ratsam.
Die wichtigste praktische Ressource vor Ort ist das Feuerverzeichnis der Region – in Deutschland die BSH-Leuchtfeuerverzeichnisse, in Großbritannien das Admiralty List of Lights, in den USA das USCG Light List. Diese Dokumente enthalten für jeden Leuchtturm die Lichtcharakter, die Höhe und die Kennung – und ermöglichen es, bei Nacht vom Ufer aus ein Licht zu identifizieren und damit seinen eigenen Standort an der Küste zu bestimmen.