Große Stürme und der Verlust von Leuchttürmen
Wenn das Licht erlischt
Ein Leuchtturm soll Schiffen das Überleben sichern. Die Ironie, dass auch Leuchttürme selbst in Sturmnächten untergehen können, ist keine Abstraktion, sondern ein Muster, das sich durch die Geschichte der Seefahrtsnavigation zieht. Die Zerstörung eines Leuchtfeuers war in früheren Jahrhunderten keine rein materielle Katastrophe; sie bedeutete, dass alle Schiffe auf der entsprechenden Route bis zur Wiederherstellung des Feuers erhöhtem Risiko ausgesetzt waren – und das in einer Zeit, in der Wiederherstellung Monate statt Tage dauerte.
Die Geschichte der verlorenen Leuchttürme ist gleichzeitig die Geschichte des Lernprozesses, der zur modernen Wellenturm-Ingenieurskunst führte. Jede Katastrophe lehrte etwas über Fundamente, Materialien, Geometrie und die Grenzen des technisch Machbaren unter extremen Bedingungen.
Eddystone: Drei Türme auf demselben Felsen
Kein Leuchtturm-Standort verkörpert diese Geschichte besser als der Eddystone-Felsen, 22 Kilometer südlich von Plymouth im Ärmelkanal. Der Felsen selbst liegt flach unter der Wasseroberfläche und wurde jahrhundertelang als einer der gefährlichsten Unterwasserhindernisse Südenglands gefürchtet.
Der erste Leuchtturm auf Eddystone, ein Holzgerüstbau von Henry Winstanley, wurde 1699 in Betrieb genommen. Winstanley war Kaufmann und Exzentriker ohne Ingenieurausbildung, und sein Turm zeigte es: Er wurde zweimal umgebaut, immer weiter verstärkt, und Winstanley war so überzeugt von seinem Werk, dass er die Nacht eines großen Sturms in seinem Turm verbringen wollte. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1703 – dem Großen Sturm, der die schlimmste Naturkatastrophe des 18. Jahrhunderts in England war – verschwand der Turm vollständig. Winstanley und alle mit ihm auf dem Felsen waren tot. Von dem Bauwerk blieb nichts.
Der zweite Turm, ein Holzgerüst nach einem Entwurf von John Rudyerd, wurde 1709 fertiggestellt. Er überstand zwei Jahrzehnte atlantischer Stürme, bis er 1755 von innen heraus Feuer fing: Das Licht der Ölflammen hatte Holzteile im Laternenraum entzündet, und der Turm brannte bis auf den Fels nieder. Der Wärter Henry Hall, der beim Löschen mitgeholfen hatte, schluckte geschmolzenes Blei und starb Wochen später; der Arzt, der die Obduktion durchführte, entdeckte das erstarrte Blei in seiner Speiseröhre und wurde damit in der medizinischen Literatur bekannt.
Den dritten Turm baute John Smeaton ab 1756 aus vernetztem Granit, mit jener dovetail-gefügten Technik, die die Offshore-Konstruktion revolutionierte. Dieser Turm stand 127 Jahre, bis nicht der Sturm, sondern die Erosion des darunterliegenden Felsens den Turm gefährdete. Er wurde abgetragen und auf Plymouth Hoe als Denkmal wiederaufgebaut, wo er noch heute steht. Der vierte Turm, von James Douglass entworfen und 1882 fertiggestellt, steht noch auf dem Felsen.
Minot's Ledge: Versagen aus Eisen
Der erste Minot's Ledge Lighthouse in Massachusetts Bay, errichtet 1850 auf eisernen Schraubpfählen über einem gefährlichen Riff zehn Kilometer südlich von Boston Harbour, gilt als eines der am wenigsten überzeugend konstruierten Leuchttürme der amerikanischen Geschichte. Die Konstruktion war eine Gitterstruktur aus neun eisernen Säulen, auf denen eine Hütte mit dem Licht ruhte. Ingenieure, die das fertige Bauwerk besichtigten, äußerten sofort Bedenken über die Schwingungsanfälligkeit der Konstruktion.
Im April 1851, weniger als ein Jahr nach der Inbetriebnahme, zerstörte ein dreitägiger Nordsturm das gesamte Bauwerk. Die beiden Wärter, Joseph Antoine und Joseph Wilson, die den Sturm im Turm aushalten sollten, wurden zusammen mit der Konstruktion ins Meer gespült. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. Der Neubau aus Granit von 1860 gilt heute als einer der technisch gelungensten Leuchttürme der USA; sein Blinkrhythmus – 1-4-3, für „I Love You" – wurde von Einheimischen mit dieser Bedeutung belegt.
Der Große Sturm von 1703
Der Sturm vom 26./27. November 1703 – der bisher zitierte Große Sturm, der auch Winstanleys Eddystone-Turm zerstörte – war das zerstörerischste Wetterereignis der englischen Geschichte. Schätzungsweise 8.000 bis 15.000 Menschen kamen ums Leben, hauptsächlich auf See. Die britische Kriegsflotte verlor viele Schiffe; über 700 Segler sanken oder kenterten. Der Schriftsteller Daniel Defoe dokumentierte den Sturm in einem der ersten journalistischen Sachbücher der englischen Sprache.
Für die Leuchtfeuergeschichte bedeutete der Sturm eine Lektion über das Verhältnis von Holzkonstruktion und Sturmgewalt. Die Überzeugung, dass ein hölzerner Turm durch Biegsamkeit überleben könne, was ein starrer Steintum zerbrechen würde, hatte das 17.-Jahrhundert-Denken über Offshore-Konstruktionen geleitet. Der Untergang aller Holzkonstruktionen im Sturm von 1703 widerlegte diese These endgültig.
Tillamook Rock: Überleben unter Bombardement
Der Tillamook Rock Lighthouse an der Küste Oregons, 1881 auf einem isolierten Basaltfelsen drei Kilometer vom Festland entfernt fertiggestellt, erlebte Stürme, die Leuchtturmwärter als unglaublich schilderten. Bei einem Wintersturm 1894 wurden Felsbroken vom Meer hochgespült und gegen den Laternenraum geschleudert; die Glasscheiben zerbrachen, und das Innere des Turms wurde mit Felstrümmern und Salzwasser geflutet. Die Wärter ersetzten die Scheiben, während der Sturm noch anhielt. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich 1912 und 1934.
Die Ingenieure, die Tillamook Rock entworfen hatten, hatten die Wucht der Pazifikbrandung unterschätzt. Anpassungen wurden vorgenommen: Das Laternenraumglas wurde verstärkt, und eine Betonkappe wurde über den ursprünglichen Sandsteinfundamenten gegossen. Der Turm überstand alle weiteren Stürme und wurde erst 1957 außer Betrieb gesetzt – nicht durch Sturm, sondern durch Automatisierung benachbarter Leuchtfeuer.
Das Lernen aus Verlusten
Was die Geschichte der Leuchtturm-Katastrophen zeigt, ist ein systematischer Lernprozess. Jedes Versagen – Winstanleys Holzturm, Minot's Ledge aus Eisen, die Biegungsrisse im ersten Skerryvore-Entwurf – lieferte Daten, die in die nächste Generation von Konstruktionen einflossen. John Smeaton entwickelte seine Dovetail-Granit-Technik direkt aus der Analyse des Versagens aller Vorgänger. James Douglass verstärkte nach den Sturmschäden an Bishop Rock den Turm mit einer Betonmanschette, die die Basis auf mehr als das Dreifache des ursprünglichen Durchmessers verbreiterte.
Diese Geschichte der produktiven Katastrophen ist auf der Karte lesbar: Viele der historischsten und technisch bedeutsamsten Leuchttürme der Welt stehen genau dort, wo ein Vorgänger scheiterte. Das macht sie nicht nur zu Navigationshilfen, sondern zu Denkmälern für das, was gelernt wurde.