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Leuchttürme, Katastrophen und Schiffbrüche

Wracks als Anfangspunkte

Die Geschichte der Leuchttürme ist nicht selten eine Geschichte des Scheiterns. Fast jeder bedeutende Leuchtturm wurde nach einer Katastrophe gebaut – einem Wrack, einem Massenverlust von Menschenleben, einem politischen Skandal über die Schutzlosigkeit einer Küste. Der Leuchtturm ist die institutionelle Antwort auf die Frage: „Warum ist das passiert, und wie verhindern wir es?"

Das gilt in beide Richtungen: Wracks inspirierten Leuchttürme, aber Leuchttürme selbst wurden manchmal zu Opfern der Kräfte, gegen die sie errichtet worden waren. Stürme, Feuer, strukturelles Versagen – die Geschichte der Türme enthält mehr Katastrophen, als gewöhnlich überliefert wird.

Das Eddystone-Riff: drei Türme vor dem vierten

Das Eddystone-Riff südlich von Plymouth ist das vielleicht deutlichste Beispiel für die kathartische Beziehung zwischen Wrack und Leuchtturmbau. Das Riff liegt an der Haupteinfahrtsroute zum Plymouth Sound, an der Kreuzung der Handelswege Ärmelkanal–Atlantik, und hat seit dem Mittelalter Schiffe gefordert.

Der erste Leuchtturm auf dem Eddystone wurde 1698 vom Ingenieur und Unternehmer Henry Winstanley errichtet – eine bizarre, von Dekorationen überhäufte Holzkonstruktion, die von Zeitgenossen als Wunderwerk und von Ingenieuren als Unsinn beschrieben wurde. Im November 1703, während des Great Storm – einem der stärksten Stürme in der britischen Geschichte mit über 8.000 Toten auf See und Land – wurde der Turm vollständig ins Meer geworfen. Winstanley, der sich zufällig zur Inspektion in seinem Turm befand, kam ums Leben.

Der zweite Turm, errichtet 1709 von John Rudyerd, war ein Holzkegel – besser als sein Vorgänger, aber nicht feuerfest. 1755 brach ein Feuer aus und der Turm brannte vollständig ab; der Keeper Henry Hall soll dabei flüssiges Blei vom schmelzenden Lichtapparat verschluckt haben und starb kurz darauf. John Smeatons Granitturm von 1759 war die Lösung: solide, konisch, berechnet. Er stand bis 1882, als der Fels unter ihm zu erodieren begann, nicht der Turm selbst – und wurde Stein für Stein auf der Plymouth Hoe wieder aufgebaut, wo er heute noch steht.

Die Katastrophe am Minots Ledge

Das Minots Ledge Lighthouse vor Cohasset, Massachusetts, wurde 1850 fertiggestellt – eine Schraubpfahlkonstruktion aus neun eisernen Pfählen, die in den Fels getrieben wurden und eine Plattform trugen. Der Ingenieur Captain William Swift und der erste Inspector des Lighthouse Board hatten Bedenken über die Konstruktion geäußert, aber der politische Druck zur schnellen Fertigstellung war größer.

Am 16. April 1851, nach einem besonders brutalen Winter und einem sehr starken Nordeaster, knickten die Pfähle. Die zwei Hilfswärter im Turm, John Bennett und Joseph Wilson, hatten genug Zeit, die Glocke zu läuten – vermutlich als Warnsignal für Schiffe in der Nähe. Beide kamen ums Leben. Zeitgenossen berichteten, die Körper hätten man Tage danach an den Klippen gefunden.

Das Wrack des ersten Minots Ledge war ein nationales Skandal. Der Ersatzbau, ein massiver Granitturm nach dem Vorbild Smeatons und der Stevensons, wurde 1860 fertiggestellt und steht noch heute. Er gilt als eines der besten Beispiele amerikanischer Leuchttturmbautechnik.

Die Dunbar und der erste Seenotfall in Sydney

Am 20. August 1857 lief der britische Emigrantendampfer Dunbar in Sichtweite des South Head bei Sydney auf die Klippen. Das Schiff hatte die langgezogene Bucht des Sydney Harbor bereits in Sicht, als Nebel und ein starker Südsüdoststurm die Crew verwirrten. Der Kapitän verwechselte den Gap – eine Felsspalte südlich des Hafeneingangs – mit dem eigentlichen Eingang. 121 Menschen starben; ein einziger Überlebender, Matrose James Johnson, klammerte sich an einen Felsvorsprung und wurde erst 36 Stunden später gefunden.

Das Wrack der Dunbar führte direkt zur Installation des South Head Lighthouse an der Einfahrt zum Sydney Harbour – eines Leuchtfeuers, das in seiner späteren Form als Hornby Lighthouse bekannt ist und 1858 in Betrieb genommen wurde.

Schiffbrüche, die nie hätten sein müssen

Nicht jedes Wrack an einer beleuchteten Küste ist auf fehlendes Licht zurückzuführen. Viele Katastrophen passierten trotz vorhandener Leuchtfeuer: durch falsche Peilung, durch Navigation ohne angemessene Seekarte, durch Übermüdung der Wache, durch mechanische Fehler. Das Wrack der HMS Birkenhead 1852 vor der südafrikanischen Küste – das seinen Namen der geordneten Evakuierung von Frauen und Kindern zuerst gab, dem sogenannten „Birkenhead Drill" – geschah in einem Bereich, der gut kartiert und mit Leuchtfeuern ausgestattet war.

Die RMS Titanic sank 1912 nicht wegen eines fehlenden Leuchtturms, sondern wegen eines Eisbergs im offenen Atlantik – wo Leuchtturmbau nicht möglich ist. Aber das Unglück führte zur Gründung des International Ice Patrol und zu einer erheblich intensiveren Debatte über Navigationssicherheit insgesamt.

Stürme und Schäden an Türmen

Leuchttürme haben Stürme überlebt, die für jedes andere Bauwerk tödlich gewesen wären – aber nicht alle. Der Bluff Point Lighthouse am Lake Ontario wurde 1930 durch einen Eissturm so schwer beschädigt, dass er abgerissen werden musste. Das Minots Ledge zerstörende Nordeaster von 1851 beschädigte gleichzeitig Dutzende anderer Seezeichen entlang der Massachusetts-Küste.

Der Sturm von 1954, bekannt als Hurricane Carol, beschädigte mehrere Leuchttürme in New England erheblich. Das denkmalgeschützte Lighthouse at Point Judith in Rhode Island überstand, aber Teile seiner Nebengebäude wurden zerstört. Solche Ereignisse erinnern daran, dass Leuchttürme keine passiven Denkmäler sind – sie sind aktive Infrastruktur in einer Umgebung, die sie permanent beansprucht.

Wer die Positionen der Wracks und Leuchttürme, die in Reaktion auf Katastrophen gebaut wurden, räumlich verstehen möchte, kann auf der interaktiven Karte die Küstenabschnitte mit ihrer Geschichte von Schifffahrt, Wracks und Leuchtfeuern erkunden.

Das Vanishing der Eilean Mor-Keeper

Eine der rätselhaftesten Katastrophen der Leuchtturmgeschichte ereignete sich 1900 auf dem Flannan Isles Lighthouse auf den äußersten Hebriden westlich von Schottland. Als das Versorgungsschiff Hesperus am 26. Dezember 1900 anlegte, fand die Besatzung den Turm verlassen. Das Licht war erloschen; drei Keeper, James Ducat, Thomas Marshall und Donald MacArthur, waren spurlos verschwunden. Die Tagebücher zeigten, dass die Männer Stunden vor ihrem Verschwinden notiert hatten, dass sie Angst hatten – was auf See ungewöhnlich war für erfahrene Keeper.

Offizielle Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass alle drei durch eine Sturmwelle an den Klippen unterhalb des Turms erfasst worden waren. Das Rätsel hat sich in der Populärkultur verselbständigt; Gedichte, Theaterstücke und Filme wurden über die Geschichte geschrieben. Was tatsächlich auf Flannan Isles geschah, ist bis heute nicht mit Sicherheit bekannt.