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Leuchtturm-Zwillinge und Mehrfachtürme

Warum zwei Türme?

Die einfachste Antwort lautet: um eine Station unverwechselbar zu machen. In der Ära der Fresnel-Linsen, als alle Feuer weißes oder farbiges Licht ausstrahlten und sich nur durch ihren Rhythmus unterschieden, war es für einen Naviganten bei unsichtigem Wetter schwer, zwei ähnlich aussehende Türme auseinanderzuhalten — besonders wenn er die Küste nicht kannte. Ein Zwillingspaar, zwei identische Türme nebeneinander, lieferte eine eindeutige visuelle Signatur: Wer zwei Türme mit definiertem Abstand sah, wusste sofort, wo er war.

Es gab aber noch andere Gründe, zwei Türme zu bauen. Range lights — Leitfeuer — nutzten bewusst zwei Türme in verschiedenen Höhen, um Schiffe durch enge Fahrwasser zu führen: Wer vorderes und hinteres Feuer in senkrechter Deckung hatte, befand sich auf dem sicheren Kurs. Und an manchen Stationen baute man einfach einen Reserveturm, weil der erste zu niedrig, zu alt oder zu weit entfernt vom tatsächlichen Gefahrenpunkt war.

Öffne die Karte, um Zwillingsstationen und bekannte Mehrfachtürme in ihrem geografischen Kontext zu sehen.

Navesink Twin Lights, New Jersey

Die Twin Lights of Navesink auf den Highlands of Navesink in New Jersey gehören zu den bekanntesten Zwillingstürmen Nordamerikas. Die Station wurde 1828 erstmals mit zwei Türmen versehen, um sie von Sandyhook Light zu unterscheiden, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Die heutigen Türme, ein quadratischer Nordturm und ein oktogonaler Südturm, wurden 1862 aus Brownstone-Sandstein gebaut. Der Nordturm trägt auf 53 Metern über dem Meeresspiegel eine First-Order-Fresnel-Linse; die Station war 1898 die erste in den Vereinigten Staaten, die mit elektrischem Licht ausgerüstet wurde. Heute ist Navesink ein Staatspark und beherbergt ein Museum zur Geschichte der Leuchttürme von New Jersey. Beide Türme stehen noch — der Nordturm aktiv, der Südturm als Historisches Denkmal.

Cape Race, Neufundland

Cape Race an der Südostspitze Neufundlands trägt heute einen einzelnen Turm aus dem Jahr 1907, aber die Station war jahrzehntelang für ihre ursprüngliche Doppelstruktur bekannt. Die Lage — eine der häufigsten Ansteuerungspunkte des transatlantischen Schiffsverkehrs — machte die genaue Erkennung der Station zu einer Frage von Leben und Tod. Hunderte von Schiffen, darunter die RMS Titanic, die 1912 in der Nähe von Cape Race unterging, nutzten die drahtlose Funkstation, die hier ab 1904 betrieben wurde, als Peilpunkt. Die Überreste der früheren Turmfundamente sind noch zu sehen.

Thatcher Island Twin Lights, Massachusetts

Thatcher Island vor Rockport, Massachusetts, ist eines der wenigen Orte, an denen noch zwei vollständige, aktive (oder bis vor Kurzem aktive) Türme stehen. Die ersten Türme wurden 1771 gebaut — als erstes Zwillingspaar in den amerikanischen Kolonien. Die heutigen Granittürme stammen von 1861, sind je 33 Meter hoch und tragen Fourth-Order-Fresnel-Linsen. Der nördliche Turm zeigt rotes Licht, der südliche weißes Licht. Die Insel ist von Juni bis Oktober mit dem Boot erreichbar und wird von der Thatcher Island Association gepflegt.

Cape Ann Twin Lights, Gloucester

Ebenfalls in Massachusetts, wenige Kilometer westlich von Thatcher Island, standen die Cape Ann Twin Lights in Gloucester — heute nur noch als Historisches Denkmal bekannt, da einer der Türme abgerissen wurde. Die Station wurde 1771 gegründet und trug bis 1923 zwei Türme. Das Abschalten eines Turms und der spätere Abriss war ein typisches Schicksal vieler Zwillingsstationen: Als stärkere Einzel-Linsen die Leuchtkraft zweier schwächerer Feuer übertrafen, verschwand der Doppelcharakter.

Cape Elizabeth, Maine

Die zwei Türme der Cape Elizabeth Light Station südlich von Portland, Maine, wurden 1828 aus Rubble-Stein errichtet und 1874 durch Granittürme ersetzt. Der östliche Turm, 24 Meter hoch, trägt eine Fourth-Order-Fresnel-Linse und ist bis heute aktiv. Der westliche Turm wurde 1924 deaktiviert, steht aber noch und ist in Privatbesitz. In seiner Aktivzeit waren beide Türme sichtbar von See und dienten als eindeutiger Erkennungspunkt für die Anfahrt nach Portland.

Cape Lookout, North Carolina

Cape Lookout in North Carolina steht heute für seinen einzelnen schwarz-weißen Schachbrettturm, der 1859 fertiggestellt und auf 48 Metern Höhe mit einem First-Order-Linsensystem ausgestattet wurde. Aber die Station begann 1812 mit einem viel niedrigeren Turm, der fast sofort als unzureichend galt — ein klassisches Beispiel dafür, dass eine schlecht geplante Erstanlage zum Neubau zwang, ohne dass man deswegen automatisch ein Zwillingspaar baute.

Pendeen und St Agnes, Cornwall

An der Nordküste Cornwalls verdeutlichen die Leuchttürme Pendeen und Trevose Head zusammen mit dem inzwischen abgeschalteten St Agnes Head, wie eine dichte Folge von Einzeltürmen eine ähnliche Funktion erfüllen kann wie ein formales Zwillingspaar: Jeder hat ein eindeutiges Lichtmuster, und zusammen decken sie einen der gefährlichsten Küstenabschnitte Englands ab. St Agnes, erbaut 1680 auf einem der ältesten Leuchtturmstandorte Englands, brannte ursprünglich mit Kohlenfeuer oben auf einem Turm, der mit dem heutigen in keinem Verhältnis mehr steht.

Port Pirie Range Lights, Australien

In Australien wurden Range-Light-Paare — Leitfeuerzwillinge — intensiv genutzt, um Schiffe durch flache, sandige Flussmündungen zu führen. Port Pirie in Süd-Australien besitzt ein gut dokumentiertes Beispiel: Vorderes und hinteres Feuer markieren die Fahrrinne in den Spencer Gulf. Der niedrigere vordere Turm und der höhere hintere Turm müssen genau übereinander erscheinen, damit ein Schiff sicher navigiert. Solche Paare sind keine Attraktionen für Touristen, aber technisch eine elegante Lösung, die keinerlei elektronische Hilfe benötigt.

Warum Drillingstürme so selten sind

Dreifach-Stationen sind außerordentlich selten, weil der Nutzen eines dritten Turms schnell abnimmt. Ein bekanntes Beispiel sind die Eddystone-Lichter in ihrer Geschichte: Der erste Holzturm von 1699 (Henry Winstanley), der zweite von 1709 (John Rudyerd), der dritte Granit-Smeaton-Turm von 1759, der heutige vierte Turm von James Douglass (1882) — sie stehen aber nicht gleichzeitig, sondern ablösen sich. Der obere Teil von Smeatons Turm wurde auf dem Plymouth Hoe als Denkmal wiederaufgebaut, sodass man heute zwei Eddystone-Türme (wenngleich an verschiedenen Orten) gleichzeitig sehen kann.

Eine echte Drei-Turm-Station in zeitgleichem Betrieb ist kaum nachzuweisen. Die wenigen Fälle, in denen drei Türme an einer Station standen, erklären sich meist durch sukzessive Bauphasen, bei denen ein alter Turm noch nicht abgerissen worden war, bevor der neue in Betrieb ging.

Das Erbe der Zwillingsstationen

Von den ursprünglich über zwanzig Zwillingsstationen an der amerikanischen Ostküste sind heute weniger als die Hälfte in irgendeiner Form erhalten; noch weniger tragen noch zwei aktive Feuer. Navesink und Thatcher Island sind die prominentesten Überlebenden. In Europa sind echte Zwillingsstationen mit zwei identischen Türmen ebenfalls selten; Leitfeuerzwillinge verschiedener Höhe sind dagegen an vielen Häfen und Flussmündungen noch in Betrieb. Als Navigationshilfe für die Einfahrt in ein Fahrwasser sind sie durch GPS zwar redundant geworden, aber als robuste, stromlose Alternative zum elektronischen System werden sie von vielen Verwaltungen beibehalten.