Die Commissioners of Irish Lights
Eine Körperschaft für eine ganze Insel
Die Commissioners of Irish Lights (CIL) sind eine der ungewöhnlichsten staatlichen Körperschaften der britischen Inseln. Sie sind für die Befeuerung und Betonnung der Küsten der ganzen Insel Irland zuständig – nicht nur der Republik Irland, sondern auch Nordirlands, das politisch zum Vereinigten Königreich gehört. Diese gesamtirische Zuständigkeit ist ein Überbleibsel der Entstehungsgeschichte der Körperschaft, das von beiden Regierungen als praktisch und sinnvoll anerkannt wird: Die Schifffahrtssicherheit kennt keine politischen Grenzen, und die natürlichen Schifffahrtswege rund um Irland folgen keinem Landesgrenzverlauf.
Die CIL ist eine von drei 'General Lighthouse Authorities' der britischen Inseln: Trinity House für England, Wales und einige Überseegebiete; das Northern Lighthouse Board für Schottland und die Isle of Man; und die Commissioners of Irish Lights für ganz Irland. Alle drei werden durch den General Lighthouse Fund finanziert, der aus Leuchtturmabgaben ('light dues') auf Handelsschiffe gespeist wird, die britische und irische Häfen anlaufen.
Gründung und frühe Geschichte
Das System der irischen Leuchttürme war vor dem 18. Jahrhundert rudimentär und uneinheitlich. Einzelne Leuchttürme wurden von privaten Konzessionären betrieben, die das Recht erhalten hatten, Abgaben von vorbeisegelenden Schiffen zu erheben – ein System, das in England und Irland weit verbreitet war und zu erheblicher Korruption und Vernachlässigung führte. Ein Leuchtturmkonzessionär hatte wenig Anreiz, viel in die Anlage zu investieren, solange die Abgaben flossen.
Die Corporation for Preserving and Improving the Port of Dublin, besser bekannt als Ballast Office, übernahm im späten 18. Jahrhundert eine wachsende Rolle bei der Befeuerung der irischen Küste. Die Corporation war 1786 gegründet worden, hauptsächlich um den Hafen von Dublin zu verwalten. Als sie aber die Leuchtturmaufgaben übernahm, wuchs ihre Zuständigkeit weit über Dublin hinaus.
Die Commissioners of Irish Lights als formale Körperschaft entstanden durch den Merchant Shipping Act von 1894, der die drei General Lighthouse Authorities auf eine einheitliche gesetzliche Grundlage stellte. Die CIL erhielt ihr heutiges formales Mandat: die Errichtung, Unterhaltung und Verwaltung von Leuchtfeuern, Leuchtschiffen, Bojen und Betonnung rund um die gesamte irische Küste.
Die irische Küste und ihre Gefahren
Irland ist eine Insel, und seine Küste ist vielfältig, oft wild und für die Schifffahrt gefährlich. Im Osten, an der Irischen See, liegen flache Sandbänke und versteckte Riffe, die Dublin Bay, die gefährliche Passage zwischen den Copeland Islands und dem Nordosten Irlands. Im Süden öffnet sich das Keltische Meer, mit dem gewaltigen Felsen Fastnet Rock als äußerstem Vorposten. Im Westen schlägt der offene Atlantik gegen Klippen, die zu den höchsten Europas zählen – Slieve League in County Donegal ist mit über 600 Metern Höhe atemberaubend, aber für Schiffe eine tödliche Falle. Im Norden begrenzt der North Channel die Passage zwischen Nordirland und Schottland.
Diese Vielfalt erforderte eine dichte, gut organisierte Befeuerung. Die CIL verwaltet heute rund 70 Leuchtfeuer und über 1.200 Bojen und Betonnen rund um die Küste. Viele der bekannten irischen Leuchttürme wurden im 19. Jahrhundert von George Halpin senior und George Halpin junior erbaut, Vater und Sohn, die als Ingenieure der CIL (bzw. ihrer Vorgängerbehörde) für Jahrzehnte das Antlitz der irischen Küstenbefeuerung prägten.
George Halpin: Architekt der irischen Befeuerung
George Halpin senior (1779–1854) war Inspector of Works für das Ballast Office und später für die CIL und verantwortlich für den Bau einer erstaunlichen Anzahl irischer Leuchttürme. Loophead Lighthouse in County Clare, 1854 fertiggestellt; Eeragh (Brannock Island) am westlichen Eingang zum Galway Bay, 1857; Hook Head in County Wexford, dessen Turm auf mittelalterlichen Fundamenten steht und einer der ältesten kontinuierlich genutzten Leuchtturmstandorte der Welt ist – all das trägt seinen Stempel.
Hook Head ist besonders bemerkenswert. Ein Feuer auf diesem Felsen am Eingang zum Waterford Harbour wurde bereits im 12. Jahrhundert durch Mönche des Dubhan-Klosters unterhalten. Der heutige Turm, weiß und 35 Meter hoch, stammt in seinen unteren Teilen aus dem 13. Jahrhundert und ist damit tatsächlich der älteste noch aktive Leuchtturm der Welt. Die CIL hat Hook Head umfassend restauriert und für Besucher geöffnet; der Turm ist heute eine der beliebtesten Touristenattraktionen des Südostens.
George Halpin junior baute Fastnet Rock (Grundstein 1863, fertiggestellt 1854 in einem ersten kleineren Turm) und war beteiligt an der Vorbereitung für den Bau des neuen Fastnet-Turms, der schließlich von William Douglass 1904 fertiggestellt wurde. Der neue Fastnet aus Kernit-Granit steht 54 Meter hoch auf einem Felsen, der bei rauer See nahezu verschwinden kann. Er ist ein Wahrzeichen des Atlantik-Segelns und Wendepunkt der berühmten Fastnet-Regatta.
Automatisierung und das Ende der bemannten Posten
Wie in Großbritannien und Skandinavien bedeutete das letzte Quartal des 20. Jahrhunderts das Ende der bemannten Leuchttürme in Irland. Die CIL hatte Anfang der 1980er Jahre noch Dutzende besetzte Außenstationen; bis 1997 war der letzte besetzte irische Leuchtturm – Baily auf Howth Head vor Dublin, seit dem 17. Jahrhundert im Betrieb – automatisiert.
Die Automatisierung war eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Kosten für das Halten von Mannschaften auf abgelegenen Außenstationen, die Versorgungsschiffe, die regelmäßigen Rotationen der Wärter – all das ließ sich mit moderner Elektronik, Solarsystemen und Fernüberwachung einsparen. Die CIL entwickelte ein eigenes Remote Monitoring System, das alle Leuchtfeuer und Bojen kontinuierlich überwacht und Alarme an die Zentrale in Dún Laoghaire bei Dublin weiterleitet.
Die Wärterwohnungen, einst von Familien bewohnt, wurden zu verschiedenen Zwecken umgenutzt. Manche wurden an private Mieter vergeben; andere wurden in Informationszentren oder Jugendherbergen umgewandelt. Am Wicklow Head Lighthouse können Besucher heute in den ehemaligen Wärterhäusern übernachten und die beeindruckende Aussicht auf die Irische See genießen.
Moderner Betrieb und internationale Zusammenarbeit
Die CIL ist heute eine schlanke Organisation mit einigen Dutzend festangestellten Mitarbeitern und einem Serviceschiff, dem ILV (Irish Lights Vessel) Granuaile, das für Unterhalt und Tonnenerneuerung eingesetzt wird. Die Granuaile, benannt nach der legendären irischen Piratenkönigin Grace O'Malley des 16. Jahrhunderts, ist 75 Meter lang und für alle Arten von Betonnung und Unterwassertechnik ausgerüstet.
Die CIL ist Mitglied der International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities (IALA) und kooperiert eng mit den britischen General Lighthouse Authorities. Die gemeinsame Verwaltung des Irish Sea Vessel Traffic Service (ISVTS), einer Radarüberwachungsanlage für die verkehrsreiche Irische See, ist ein Beispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die durch die einzigartige gesamtirische Struktur der CIL ermöglicht wird.
Wer die Leuchtfeuer der irischen Küste – von Hook Head im Südosten bis Malin Head im Norden – auf einer interaktiven Karte erkunden möchte, findet auf Karte öffnen alle eingetragenen Leuchtfeuer Irlands und der benachbarten Küsten. Die Geschichte der CIL ist in jedem dieser Lichtpunkte eingeschrieben.