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Die 10 schönsten Leuchttürme Deutschlands

Deutschland hat mit seiner langen Nord- und Ostseeküste eine lebendige Leuchtturm-Geschichte, die weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Nordseeküste zwischen Emden und Flensburg, mit ihren flachen Wattgebieten, dem unberechenbaren Gezeitenstrom und den vorgelagerten Inseln und Sandbänken, war für die Seefahrt immer ein besonders anspruchsvolles Terrain. Die Ostseeküste dagegen – mit ruhigeren Gewässern, aber zahlreichen Boddenlandschaften, Förden und Schilfgürtelküsten – hat ihre eigene, weniger dramatische Leuchtturmgeschichte. Deutsche Leuchttürme reichen von der technischen Eleganz des Roter Sand im Tiefsee-Fundament bis zum einsam-romantischen Pilsum in der ostfriesischen Küstenebene, von den bunten Backsteinbauten der Kaisergründerzeit bis zu eisernen Leuchtfeuern auf sumpfigem Marschland. Öffnen Sie die Karte um alle deutschen Leuchttürme zu entdecken.

1. Roter Sand, Wesermündung

Roter Sand ist eine Legende. Der 1885 fertiggestellte Gusseisen-Leuchtturm auf einer Sandbank in der Außenweser, 45 Kilometer nordwestlich von Bremerhaven, war der erste in Deutschland und einer der ersten weltweit, der sein Fundament in flüssigem Schlickboden versenkte – mittels einer Druckluftkammer, in der die Arbeiter unter extremem Druck arbeiteten. Der rot lackierte zylindrische Turm ist 29 Meter hoch. Seit 1986 außer Betrieb, wurde er durch ein Feuerschiff abgelöst. Heute kann man Roter Sand als einzigartiges Hochsee-Übernachtungserlebnis buchen oder per Hochseetouren-Boot besuchen; er ist als Denkmal geschützt und steht für eine Ingenieursleistung, die in ihrer Zeit weltweites Aufsehen erregte.

2. Leuchtturm Westerheversand, Eiderstedt

Westerheversand ist wohl der meistfotografierte Leuchtturm Deutschlands. Der rot-weiß gestreifte Gusseisen-Turm wurde 1906–1908 von der preußischen Bauverwaltung errichtet und steht – umgeben von den typischen Wärterhäuschen mit roten Ziegeldächern – mitten in der weiten, flachen Marschlandschaft der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein. Der Turm ist 41 Meter hoch; das Feuer Fl 3s hat eine Reichweite von 21 Seemeilen über das Wattenmeer. Das Leuchtfeuer ist noch aktiv und von Westerhever aus zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar; der Turm kann in der Saison bestiegen werden. Im Winter verwandeln die stürmischen Sonnenuntergänge über dem Watt die Gegend in eine einzigartige Landschaft.

3. Pilsum Leuchtturm, Ostfriesland

Der leuchtend rote Pilsum-Leuchtturm, 1891 aus Gusseisen gefertigt, markiert eine Stelle an der Leda-Mündung in die Ems nahe der Ortschaft Pilsum in Ostfriesland. Der 12 Meter hohe, auf einem Deichring stehende Turm wurde durch den Film 'Otto – Der Außerfriesische' (1989) zu einer Berühmtheit weit über seine navigatorische Bedeutung hinaus; er ist seitdem ein lokales Wahrzeichen. Das Feuer ist nicht mehr aktiv. Pilsum liegt an der Knock, einem beliebten Ausblickspunkt über die Emsmündung und den Dollart; der Turm ist außen frei zugänglich.

4. Leuchtturm Kampen (Sylt)

Der Leuchtturm auf der Sylter Geestinsel bei Kampen, 1855 erbaut, ist mit 62 Metern der höchste Leuchtturm Deutschlands und zugleich der Mittelpunkt des so genannten 'roten Kliffs' – einer steil ins Meer abfallenden Geestkliff von dramatischer landschaftlicher Schönheit. Der rot-weiß gestreifte Rundbau sendet Fl(2) 9s mit einer Reichweite von 25 Seemeilen und ist damit für Schiffe, die zwischen Elbe und Föhrde navigieren, von großer Bedeutung. Der Turm kann in der Saison bestiegen werden; der Weg entlang des Kliffs von Kampen nach Wenningstedt gehört zu den schönsten Küstenwegen Norddeutschlands.

5. Alte Liebe, Cuxhaven

Die 'Alte Liebe' ist kein Leuchtturm im klassischen Sinne, sondern eine historische Steganlage mit Leuchtfeuerfunktion an der Elbmündung in Cuxhaven, die als Aussichtspunkt für einlaufende Schiffe dient. Der Name geht wohl auf ein altes niederdeutsches Wort zurück und hat nichts mit romantischer Liebe zu tun. Das Bauwerk auf dem Steindamm ist ein beliebtes Wahrzeichen Cuxhavens und bietet einen ungehinderten Blick auf die Elbmündung und die vorbeifahrenden Containerschiffe. Das benachbarte Leuchtturm-Café und das Schifffahrtsmuseum machen Cuxhaven zu einem vollwertigen Leuchtturm-Ausflug.

6. Oberfeuer Harriersand

Der Leuchtturm auf der Flussinsel Harriersand in der Weser bei Brake ist ein charakteristischer Vertreter der kleinen Richtfeuer-Systeme, die die Navigation auf dem deutschen Unterweserrevier absichern. Der schlanke weiße Turm bildet zusammen mit dem entsprechenden Unterfeuer eine Richtlinie für die Weserfahrrinne – für Schiffe, die den Hafen Brake anlaufen, und für den Tideverkehr auf dem Fluss. Harriersand ist die größte Flussinsel Niedersachsens und ein beliebtes Ausflugsziel für Familien.

7. Leuchtturm Pelzerhaken, Ostseeküste

Pelzerhaken liegt an der östlichen Kieler Bucht nahe Neustadt in Holstein und ist ein charakteristischer Ostsee-Leuchtturm aus der Kaiserzeit (1901). Der weiße Rundbau, 27 Meter hoch, sendet Fl 5s mit einer Reichweite von 19 Seemeilen und markiert die Einfahrt in die Neustädter Bucht sowie die Lübecker Bucht. Pelzerhaken ist Teil der Ostseeküste Schleswig-Holsteins, die für ihre Sandstrände und Bäder bekannt ist; das Kap mit dem Leuchtturm kann von Schönwalde am Bungsberg und Rettin aus erwandert werden.

8. Leuchtfeuer Fedderwardersiel

An der Nordseiteküste der Halbinsel Butjadingen, wo der Jadebusen und die Weserbucht aufeinandertreffen, steht das Leuchtfeuer Fedderwardersiel. Der schlanke weiße Eisenturm markiert die Fahrwasser rund um das Watt vor dem kleinen Fischereihafen Fedderwardersiel. Die Umgebung – Salzwiesen, Priele, das flimmernde Wattenmeer bei Ebbe – ist typisch für die niedersächsische Nordseeküste; das Feuer ist vollautomatisch.

9. Kaiserschleuse Ostfeuer (Pingelturm), Bremerhaven

Der 'Pingelturm', offiziell Ostfeuer der Kaiserschleuse, ist ein Industriedenkmal von besonderem Rang: ein massiver Backsteinturm aus der wilhelminischen Ära, der das Einlaufen von Schiffen in die Kaiserschleuse des Bremerhavener Hafens signalisiert. Der Turm gehört zum Ensemble des historischen Hafens Bremerhaven, in dessen unmittelbarer Nähe das Deutsche Schifffahrtsmuseum liegt. Der Pingelturm ist extern zugänglich; er gehört zu den wenigen erhaltenen Leuchtturm-Industriedenkmälern Deutschlands.

10. Leuchtturm Holnis, Flensburger Förde

Der Leuchtturm Holnis steht auf der Halbinsel Holnis an der Flensburger Förde, in unmittelbarer Nähe der deutschen-dänischen Grenze. Der weiße Turm (1905) ist 23 Meter hoch und sendet ein Sektorenfeuer, das die Navigation in der seichten Innenförde erleichtert. Die Halbinsel Holnis ist Naturschutzgebiet mit einer der schönsten Steilküsten der Förde; der Turm liegt am Ende eines Wanderweges durch Schilfgürtel und Buchenwälder und ist von Harrislee aus erreichbar.

Praktische Hinweise

Westerheversand und Kampen auf Sylt sind die Höhepunkte einer Nordsee-Leuchtturmreise und können in einem zweitägigen Ausflug kombiniert werden. Roter Sand ist durch Hochsee-Bootstouren ab Bremerhaven erreichbar; Übernachtungen im Turm selbst sind ein unvergessliches Erlebnis. Pelzerhaken und Holnis eignen sich gut als Ziele an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins. Die meisten deutschen Leuchttürme sind ganzjährig zugänglich; Besteigungen sind in der Regel von Mai bis September möglich. Alle deutschen Leuchttürme auf der interaktiven Karte entdecken.