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Stillgelegte Leuchttürme und ihre Nachnutzung

Das Ende des Dienstes

Ein Leuchtturm wird stillgelegt, wenn er seinen Zweck nicht mehr erfüllt: wenn die Schifffahrtsroute sich verlagert hat, wenn ein neuerer und leistungsstärkerer Turm in der Nähe errichtet wurde, wenn die Küstenlinie durch Erosion oder Sedimentation die ursprüngliche Gefahr verändert hat, oder schlicht wenn die Kosten des Unterhalts den Nutzen übersteigen. In den USA gab der Kongress mit dem National Historic Lighthouse Preservation Act von 2000 eine Rechtsgrundlage für die Übertragung stillgelegter Leuchttürme an staatliche Stellen, gemeinnützige Organisationen und sogar Privatpersonen. In vielen anderen Ländern gibt es vergleichbare Programme.

Was danach geschieht, ist äußerst vielgestaltig. Manche Türme werden zu Kulturdenkmälern erklärt und als Museen betrieben. Andere werden zu Ferienwohnungen oder Hotels umgebaut. Einige bleiben jahrzehntelang im Dornröschenschlaf, bis ein Sturm das letzte Dach trägt. Und manche verschwinden ganz, abgerissen oder ins Meer gestürzt, wenn niemand sie beansprucht oder die Erosion keine andere Wahl lässt.

Wohnen im Leuchtturm

Die Umnutzung zum Wohngebäude ist bei kleinen Leuchttürmen mit gutem Wärterhaus die naheliegendste Option. Am Point Montara in Kalifornien wurde das Ensemble aus Leuchtturm, Nebengebäuden und Gärtnerhaus zu einer Jugendherberge umgebaut, die bis heute betrieben wird. Gäste schlafen in ehemaligen Wärterzimmern, frühstücken in der Kantine und gehen auf der Galerie der aufgehenden Sonne entgegen. Die Lage am Pazifik, wenige Meilen südlich von Half Moon Bay, ist von eigenem Wert.

In Nordeuropa ist das Phänomen besonders ausgeprägt. Auf der dänischen Insel Anholt, auf den schwedischen Schären und entlang der norwegischen Küste wurden zahlreiche ehemalige Leuchtturmstationen zu Ferienhäusern umgebaut, die von staatlichen Tourismusbehörden verwaltet werden. Norwegens Kystverket – die norwegische Küstenverwaltung – hat Dutzende solcher Anlagen vermietet; einige liegen auf Inseln, die nur per Boot erreichbar sind, und der Verwalter des nächsten Wohnorts ist mehrere Stunden entfernt.

In Deutschland hat der Leuchtturm Roter Sand in der Außenweser eine andere Form der Nachnutzung gefunden: nicht als Wohnraum, sondern als Abenteuer-Hotelprojekt. Obwohl der Turm 1964 außer Dienst gestellt wurde, wurde er unter Denkmalschutz gestellt und saniert; Nächte auf dem Offshore-Turm wurden als exklusive Erlebnisse angeboten, bis technische Probleme weitere Übernachtungen vorübergehend stoppten.

Hotelbetrieb auf historischen Fundamenten

Der Schritt vom Ferienquartier zum kommerziellen Hotel ist nicht groß, wenn Lage und Architektur stimmen. Der Fastnet Lighthouse an der Südspitze Irlands – eine der ikonischsten Offshore-Bauten der Welt, 1904 fertiggestellt nach einem Entwurf von William Douglass – wurde 2020 von Irish Lights für kurze Übernachtungsaufenthalte geöffnet. Gäste werden per Hubschrauber oder Boot aus Baltimore, County Cork, transportiert und verbringen eine oder zwei Nächte auf dem Fels, zwanzig Meilen südlich des Festlandes.

Pendennis Lighthouse in Cornwall und mehrere schottische Leuchttürme unter Northern Lighthouse Board-Verwaltung bieten ähnliche Pauschalaufenthalte an, bei denen der Turm selbst das Erlebnis ist. Der Preis ist entsprechend: solche Aufenthalte richten sich an Käufer, für die Inaccessibility selbst attraktiv ist. Das Geschäftsmodell ist interessant, weil es den Unterhalt der Gebäude durch den Tourismus finanziert, der ohne den historischen Charakter des Ortes nicht stattfinden würde.

Künstlerische und kulturelle Nutzungen

Leuchttürme haben eine Tradition als Aufenthaltsorte für Schriftsteller und Künstler. Virginia Woolfs Roman "Zum Leuchtturm" ist ohne die Evokationskraft des isolierten Turms nicht denkbar, auch wenn der spezifische Turm in Woolfs Fall – der Godrevy Lighthouse in Cornwall – nie besucht werden konnte. Reale Leuchttürme wurden zu Residenzen: Das Leuchtturm Strömstad in Schweden hat zeitweise Residenzprogramme für Künstler angeboten; ähnliche Projekte gibt es in Maine, in Bretagne und auf den Azoren.

Einige Türme wurden zu Ausstellungsräumen. Der Leuchtturm Kap Arkona auf Rügen – Schinkels neugotischer Bau von 1826 – beherbergt eine Ausstellung zur Geschichte der Leuchtfeuer auf Rügen; der benachbarte neue Leuchtturm aus dem Jahr 1902 ist noch in Betrieb. Beide sind öffentlich zugänglich und gehören zu den meistbesuchten touristischen Zielen der Insel.

Verfall und Ruinen

Nicht jeder stillgelegte Leuchtturm findet eine neue Verwendung. In den USA hat die National Park Service eine Liste von Leuchttürmen mit kritischem Erhaltungsstatus geführt; Dutzende davon befanden sich in aktivem Verfall. Der Round Island Lighthouse in Mississippi lag jahrzehntelang verlassen; Salzwasser hatte die Fundamente unterhöhlt, Vegetation wuchs durch die Fenster. Erst nach intensiver Lobbyarbeit lokaler Gruppen wurde er saniert.

Auf den kleinen Inseln des schottischen Inneren Hebriden gibt es Leuchtturmstationen, von denen seit der Automatisierung keine menschliche Wartung mehr durchgeführt wurde und deren Wärtergebäude dem Wetter überlassen sind. Wind, Salz und Frost sind aggressive Archivare: Ein verlassenes Gebäude verliert an der schottischen Westküste sein Dach innerhalb weniger Jahrzehnte.

Besonders dramatisch ist der Fall von Leuchttürmen, die der Küstenerosion zum Opfer gefallen sind oder zu fallen drohen. Der alte Cape Hatteras Lighthouse in North Carolina war bis 1999 in akuter Gefahr; man entschied sich, ihn 880 Meter landeinwärts zu bewegen – ein Ingenieursprojekt von erheblichem Aufwand, das den Turm rettete, aber auf Zeit. An anderen Standorten, wo kein Geld für eine solche Maßnahme vorhanden ist, bricht die Küste einfach ab.

Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen

Die größte Hürde bei der Nachnutzung ist oft nicht die Architektur, sondern das Eigentumsrecht. Leuchttürme gehörten in den meisten Ländern dem Staat oder staatlichen Organisationen wie Trinity House, dem Northern Lighthouse Board oder der US Lighthouse Service. Die Übertragung an private oder gemeinnützige Träger erfordert in vielen Ländern spezielle Gesetzgebung.

In den USA hat der erwähnte National Historic Lighthouse Preservation Act von 2000 über 100 Türme erfolgreich übertragen. In Deutschland ist die Eigentumsstruktur komplexer: Türme auf Bundeswasserstraßen gehören dem Bund, Seezeichen dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Denkmalschutzrechtliche Bindungen schützen einerseits, beschränken andererseits Umbaumöglichkeiten.

Wer sich für die aktuellen Nutzungen und den Zustand von Leuchttürmen in einer bestimmten Region interessiert, kann die Karte öffnen und nach stillgelegten oder umgenutzten Türmen suchen. Hinter jedem Standort verbirgt sich eine Geschichte, in der Verwaltungsentscheid, Denkmalschutz, lokale Initiative und Marktkräfte über den Fortbestand eines Bauwerks entschieden haben, das einst unverzichtbar war.