Die 10 bedeutendsten Leuchttürme der Türkei
Leuchtturmgeschichte zwischen Bosporus und Mittelmeer
Die türkische Küste erstreckt sich über mehr als 8.000 Kilometer und umfasst das Schwarze Meer im Norden, das Marmarameer und den Bosporus im Westen sowie das Ägäische Meer und das östliche Mittelmeer im Süden. Diese Gewässer waren seit der Antike Hauptrouten des Handels zwischen Europa, Asien und Afrika; entsprechend früh wurden Seezeichen errichtet. Das Osmanische Reich baute sein Leuchtturmsystem vor allem im 19. Jahrhundert aus, vielfach in Zusammenarbeit mit französischen Ingenieuren. Nach der Gründung der Türkischen Republik wurden die Leuchttürme der Directorate of Coastal Safety (Kıyı Emniyeti Genel Müdürlüğü) unterstellt. Die Karte öffnen zeigt die vollständige Verteilung türkischer Leuchtfeuer.
1. Şile Lighthouse, Şile, Schwarzes Meer
Das Şile Lighthouse steht auf einem kleinen Felsvorsprung östlich von Istanbul und ist einer der markantesten Leuchttürme der türkischen Schwarzmeerküste. Der runde weiße Turm wurde 1858 errichtet und ist 33 Meter hoch; das weiße Blitzfeuer hat eine Tragweite von 26 Seemeilen. Şile markiert eine Stelle, an der die starken Strömungen des Schwarzen Meeres auf die felsige Küste treffen und historisch zahlreiche Schiffe gefährdeten. Der Turm wird von der türkischen Küstenwache verwaltet; das Dorf Şile ist ein beliebtes Ausflugs- und Strandgebiet für die Bevölkerung von Istanbul und gut über die D-020 erreichbar.
2. Rumeli Feneri Lighthouse, Istanbul
Das Rumeli Feneri Lighthouse bewacht die Einfahrt in den Bosporus von der europäischen Seite und ist damit eines der strategisch bedeutendsten Leuchtfeuer der Türkei. Der erste Leuchtturm an diesem Standort wurde im frühen 19. Jahrhundert errichtet; der heutige Turm aus dem späten 19. Jahrhundert ist 42 Meter hoch. Das weiße Blitzfeuer zeigt eine Tragweite von 23 Seemeilen und leitet die Schiffskolonnen, die täglich den Bosporus passieren — eine der meistbefahrenen Meeresstraßen der Welt. Das gleichnamige Fischerdorf Rumeli Feneri am Fuß des Leuchtturms bietet hervorragende Restaurants und ist mit dem Bus oder per Motorboot von Istanbul erreichbar.
3. Ahırkapı Feneri, Istanbul
Das Ahırkapı Feneri steht an der Marmara-Seite Istanbuls, nahe dem historischen Sultanahmet-Viertel, und ist eines der ältesten noch genutzten Leuchtfeuer der Türkei. Der kleine oktogonale Turm wurde im frühen 19. Jahrhundert erbaut und zeigt ein rotes Blinkfeuer mit einer Tragweite von etwa 8 Seemeilen. Er markiert die Einfahrt in den Istanbul-Hafen Richtung Marmarameer. Ahırkapı liegt unmittelbar am Rande der alten Stadtmauern und ist für Besucher, die das historische Viertel erkunden, leicht zu Fuß zu erreichen; das Leuchtfeuer selbst ist nicht zugänglich, aber von der Uferpromenade aus gut sichtbar.
4. İnceburun Feneri, Kastamonu
Das İnceburun Lighthouse steht auf İnceburun, dem nördlichsten Punkt der Türkei und des gesamten anatolischen Festlands, an der Schwarzmeerküste in der Provinz Kastamonu. Der schlanke weiße Turm wurde im späten 19. Jahrhundert errichtet und zeigt ein weißes Blitzfeuer mit einer Tragweite von etwa 18 Seemeilen. Der Vorsprung ist bekannt für seine starken Strömungen, die durch die Begegnung zyklonaler Schwarzmeerströmungen entstehen. Das Leuchtturmgelände liegt in einer einsamen, kaum erschlossenen Küstenregion; die Anreise führt über Kastamonu und ist beschwerlich, aber für Liebhaber abgelegener Küstenlandschaften lohnenswert.
5. Kadıköy Feneri, Istanbul
Das kleine Leuchtfeuer an der Küste von Kadıköy auf der asiatischen Seite Istanbuls dient als Orientierungsmarke für die dichten Fährverbindungen, die das europäische und asiatische Ufer verbinden. Der schlichte weiße Turm wurde im 20. Jahrhundert errichtet und zeigt ein weißes Blinkfeuer für den Kurzstreckenschiffsverkehr. Kadıköy ist eines der lebhaftesten Stadtteile Istanbuls und per Fähre vom Eminönü-Hafen in wenigen Minuten erreichbar. Das Leuchtfeuer ist Teil der dichten Seezeichen-Infrastruktur, die den Bosporus-Schiffsverkehr regelt.
6. Karabiga Feneri, Çanakkale
Das Karabiga Lighthouse steht an der Südostküste des Marmarameers in der Provinz Çanakkale und markiert die Einfahrt in den kleinen Fischerhafen von Karabiga, nahe der antiken Stadt Priapus. Der runde weiße Turm ist ein typisches Beispiel der osmanischen Leuchtturmarchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Das weiße Blinkfeuer zeigt eine Tragweite von etwa 12 Seemeilen. Die Küste um Karabiga ist reich an antiken Relikten und bietet eine unberührte Landschaft abseits der touristischen Hauptrouten.
7. Galata Feneri, Tuzla, Istanbul
Das Galata Feneri nahe Tuzla auf der asiatischen Seite Istanbuls, nicht zu verwechseln mit dem mittelalterlichen Galata-Turm im Stadtinneren, ist ein Seezeichen an der Einfahrt in die Izmit Bay (Golfe von Izmit). Der runde weiße Turm zeigt ein rotes und weißes Sektorfeuer, das Schiffen die sichere Einfahrt in die stark industrialisierte Bucht weist. Die Izmit Bay ist einer der bedeutendsten Industrie- und Schiffsverkehrsschwerpunkte der Türkei.
8. Keçiada Feneri, Kephalonia-nahe Inseln, Marmara
Das Keçiada Feneri steht auf einer kleinen Insel im Marmarameer und markiert einen Teilabschnitt der Schifffahrtsroute zwischen Istanbul und den Dardanellen. Der schlichte Steinturm aus osmanischer Zeit zeigt ein weißes Blinkfeuer mit einer Tragweite von etwa 10 Seemeilen. Die Insel Keçiada (auch Ekinlik Adası genannt) ist weitgehend unbewohnt; das Leuchtfeuer wird fernüberwacht.
9. Kadırga Feneri, Istanbul-Bosporus
Das Kadırga Feneri ist eines der kleineren Seezeichen, die die Schiffspassagen durch den Bosporus regeln. Der kompakte Backsteinturm wurde im späten 19. Jahrhundert gebaut und zeigt ein rotes Blinkfeuer für den Binnenverkehr im südlichen Bosporus. Die dichte Staffelung von Leuchtfeuern entlang des Bosporus ist notwendig, weil die Wasserstraße auf eine Breite von nur 700 Metern bei Kandilli verengt ist und täglich Hunderte von Schiffen passieren.
10. Gökçeada Feneri, Gökçeada
Das Leuchtfeuer auf Gökçeada (Imbros), der größten türkischen Insel in der Nordägäis, markiert die Einfahrt zum Saros-Golf und die Annäherung an die Dardanellen. Der weiße Turm wurde im frühen 20. Jahrhundert errichtet und zeigt ein weißes Blitzfeuer mit einer Tragweite von etwa 16 Seemeilen. Gökçeada ist für seine ursprüngliche Landschaft, griechisch-orthodoxen Kirchenruinen und klares Ägäiswasser bekannt; die Insel ist per Fähre von Çanakkale und Kabatepe erreichbar.
Praktische Hinweise für Besucher
Die türkischen Leuchttürme stehen mehrheitlich unter Verwaltung der Kıyı Emniyeti und sind für die Öffentlichkeit meist nicht zugänglich. Şile ist der bekannteste und am leichtesten besuchbare; das Dorf bietet darüber hinaus Strandurlaub und historische Sehenswürdigkeiten. Rumeli Feneri ist von Istanbul aus per Bus oder Boot gut erreichbar. Für die Leuchttürme entlang des Bosporus bieten die täglichen Bosporus-Bootsrundfahrten die beste Aussicht; man passiert mehrere Feuer auf einer einzigen Fahrt. Die Schwarzmeerküste mit İnceburun lohnt eine längere Reise für Interessierte. Alle Standorte sind auf der Karte eingetragen.