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Leuchttürme in Wüste und Golf

Küsten ohne Wälder und Regen

Die Leuchttürme Nordeuropas stehen auf Felsenkaps, umgeben von Heide, Meer und grauem Himmel. Die Leuchttürme des Roten Meeres und des Persischen Golfs stehen in einer anderen Welt: Korallenbänke statt Granitfelsen, Sandstein-Kaps statt Schieferklippen, sengende Hitze statt atlantischen Sturmböen. Und doch wurden auch diese Küsten von den europäischen Kolonialmächten des 19. Jahrhunderts markiert – nicht aus kultureller Fürsorge, sondern weil die Handelsrouten nach Indien, nach Ostafrika und zu den Ölfeldern des 20. Jahrhunderts genau hier verliefen.

Das Rote Meer ist eines der gefährlichsten Gewässer der Welt für die Schifffahrt: enge Durchfahrten, zahllose Korallenriffe, unsichere Landmarken und Winds die von Nordwinden im Winter zu Südwinden im Sommer wechseln. Die osmanische und später die britische Verwaltung begannen im späten 19. Jahrhundert, an den strategischen Engstellen des Roten Meeres Leuchttürme zu errichten. Viele dieser Türme wurden von den gleichen Ingenieurbüros und Linsenfabriken geliefert wie die Türme in der Nordsee und an der Atlantikküste.

Das Rote Meer und seine Riffe

Der Leuchtturm auf Sanganeb Reef, einem isolierten Atoll im offenen Roten Meer nordöstlich von Port Sudan, ist ein markantes Beispiel. Er wurde 1871 von der ägyptischen Regierung errichtet und ist heute der bekannteste Leuchtturm des Sudan. Der weiß gestrichene Turm ragt 36 Meter über das Korallendach des Atolls und zeigt ein Blinkfeuer, das in klaren Nächten 20 Seemeilen weit reicht. Sanganeb ist zugleich Meeresschutzgebiet: Das Riff ist Heimat von Hammerhaien, Manta-Rochen und einer der reichsten Korallenfaunen des Roten Meeres. Die Verbindung von Navigationshilfe und Naturschutzgebiet ist an diesen abgelegenen Offshore-Positionen oft ausgeprägter als in Küstennähe.

Im nördlichen Roten Meer bewachen die Leuchttürme von Shaker Island und Jazirat Tawila die Einfahrt zum Golf von Aqaba. Dieser schmale Finger des Roten Meeres, der sich zwischen der Sinai-Halbinsel und Saudi-Arabien erstreckt, ist für Eilat/Aqaba, Jordaniens einzigen Meereshafen, und für das israelische Haifengebiet Eilat lebenswichtig. Die Navigationsbedingungen sind anspruchsvoll: Der Golf ist eng, Windscherungen treten häufig auf, und der Tankerverkehr zu den jordanischen Raffinerieanlagen ist erheblich.

Am südlichen Eingang zum Roten Meer, der Meerenge Bab el-Mandab zwischen Dschibuti und dem Jemen, stehen auf beiden Seiten Leuchttürme, die eine der meistbefahrenen maritimen Engstellen der Welt markieren. Hier kreuzen täglich Dutzende großer Containerschiffe und Tanker auf dem Weg vom Indischen Ozean durch den Suezkanal in Richtung Europa. Politische Instabilität in der Region hat in den vergangenen Jahrzehnten den Unterhalt vieler dieser Feuer erschwert.

Der Persische Golf

Der Persische Golf hat eine Besonderheit, die ihn von den meisten anderen Schifffahrtsgebieten unterscheidet: Er ist flach. Die durchschnittliche Tiefe beträgt nur 50 Meter, und ausgedehnte Flachwasserbereiche, Sandbänke und Riffe verlangen nach einem dichten Netz von Seezeichen. Die Wassertemperatur kann im Sommer 35 Grad Celsius übersteigen – eine Herausforderung für alle Geräte, die zum Dauerbetrieb unter Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit ausgelegt sein müssen.

Die Geschichte der modernen Leuchtfeuer im Persischen Golf ist eng mit dem Aufstieg der Ölindustrie verknüpft. Die British India Steam Navigation Company und die britische East India Company hatten bereits im 19. Jahrhundert einige Positionen markiert, aber der systematische Ausbau des Navigationssystems begann erst in den 1950er und 1960er Jahren, als der Tankerverkehr zu den neuerschlossenen Ölfeldern Bahreins, Kuwaits und Abu Dhabis exponentiell zunahm. In dieser Zeit entstanden zahlreiche feste Seezeichen auf Plattformen im offenen Wasser sowie lichttragende Bojen für die tiefen Fahrwasserrinnen.

Das Ras al-Khaimah Lighthouse in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Khor Fakkan Lighthouse an der Ostküste der VAE am Golf von Oman, und die Feuer vor der Straße von Hormuz – dem engsten Punkt des Golfs, wo täglich Tanker mit einem Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls passieren – sind allesamt Elemente eines Navigationssystems, das in seiner modernen Form jünger ist als die ältesten Leuchttürme Europas, aber für die Weltwirtschaft eine Bedeutung hat, die schwer zu überschätzen ist.

Oman und die arabische Küste

Die Küste des Sultanats Oman hat eine der dramatischsten Topografien der arabischen Halbinsel. Der Hajar-Gebirgsstock fällt stellenweise direkt ins Meer, Kaps schieben sich weit in den Golf von Oman hinaus, und die Fischereitraditionen der omanischen Bevölkerung sind älter als die islamische Zivilisation. Der Leuchtturm auf Ras al-Hadd, dem östlichsten Punkt des arabischen Festlandes an der Einfahrt zum Golf von Oman, markiert eine Passage, die von arabischen Dhow-Seglern seit mindestens zweitausend Jahren befahren wird.

Der Rás Madraka Lighthouse, südlich von Maskat an der Küste des leeren Viertel gelegen, steht auf einer Halbinsel, die tagsüber in gleißendem Licht und nachts in vollständiger Dunkelheit liegt. Sein Blinkrhythmus – zwei Blitze, Periode zehn Sekunden, Reichweite 20 Seemeilen – ist eine der wenigen menschlichen Orientierungspunkte an einem der einsamsten Küstenabschnitte des Indischen Ozeans.

Hitze und Technik

Der Betrieb von Leuchttürmen in Wüstenregionen stellt eigene technische Anforderungen. Solarenergie ist in diesen Breiten erheblich effizienter als im wolkigeren Nordeuropa: Eine Solarpanel-Anlage, die in der Ostsee im Winter kaum ausreicht, produziert in Saudi-Arabien oder im Jemen einen erheblichen Überschuss. Automatisierte LED-Leuchtfeuer, die seit den 1990er Jahren zunehmend die älteren Fresneloptiken ersetzen, vertragen Hitze besser als Quecksilberdampflampen oder rotierende Mechaniken auf Quecksilberlagern.

Salzkorrosion und Sandaufwirbelung sind die größten Feinde. Salzkristalle setzen sich in jede Pore der Oberfläche, expandieren bei Temperaturschwankungen und sprengen Beschichtungen auf. Sand frisst Dichtungen und verstopft Lüftungsöffnungen. Türme in Wüstennähe – insbesondere an der libyschen und ägyptischen Küste sowie auf der arabischen Halbinsel – müssen häufiger inspiziert und gewartet werden als Türme in feuchteren Klimazonen.

Wer sich ein Bild von der Verteilung der Leuchtfeuer entlang der Wüstenküsten des Roten Meeres und des Persischen Golfs machen will, kann die Karte öffnen und dieses Gebiet erkunden – ein Netz von Lichtern auf einer der verkehrsreichsten und geologisch faszinierendsten Schifffahrtsrouten der Welt.