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Übernachten in einem Leuchtturm

Vom Wächterpfosten zur Ferienwohnung

Als Trinity House in den frühen 1990er Jahren die letzten bemannten Leuchttürme an der englischen und walisischen Küste automatisierte, standen die frisch leergezogenen Wärterwohnungen vor einem ungewissen Schicksal. Einige verfielen, andere wurden Lagerräume. Doch in den drei Jahrzehnten seither hat sich eine lebhafte Nische des Herbergswesens entwickelt: der Leuchtturm als Urlaubsdomizil. Was einst Berufspflicht war, ist heute begehrtes Reiseziel. Wer in einem Leuchtturm übernachtet, schläft nicht bloß in einem ungewöhnlichen Gebäude — er übernimmt, zumindest symbolisch, den Posten derjenigen, die hier Nacht für Nacht das Licht hüteten.

The Old Light, Lundy Island

Auf der Insel Lundy im Bristol Channel steht der Old Light, erbaut 1820 von Joseph Nelson und mit 52 Metern Turmhöhe der höchste Leuchtturm der Landmark Trust. Das Problem dieses frühen Bauwerks war von Anfang an sein Standort: Die Laterne thronte so hoch über dem Meeresspiegel, dass sie regelmäßig in Wolken verschwand und das Licht für Schiffer an den Klippen unsichtbar blieb. 1897 wurde der Old Light durch zwei niedrigere Feuer ersetzt. Heute vermietet der Landmark Trust die viktorianische Wärterwohnung an bis zu acht Personen. Lundy ist nur per Fähre von Bideford oder Ilfracombe erreichbar; der Übergang dauert rund zwei Stunden. Das Gefühl der Abgeschiedenheit — keine Straßen, kein Mobilfunknetz — ist vollständig.

Skua cottage, Rua Reidh, Schottland

Am nördlichsten Ende von Loch Ewe, wo der Atlantik in die schottischen Innenseeketten schneidet, steht Rua Reidh Lighthouse. Robert Louis Stevensons Vater Thomas baute ihn 1912. Das zugehörige Cottage bietet Platz für bis zu zehn Gäste. Die Zufahrt führt über eine einspurige Schotterstraße; wer bei Sturm ankommt, versteht sofort, warum die Stevensons diesen Punkt für einen Leuchtturm auswählten. Der Leuchtcharakter ist heute Fl(4) W 15s, sichtbar auf 24 Seemeilen. Im Sommer kann man Minkas und Seehunde vor der Landzunge beobachten.

South Stack, Anglesey

South Stack auf der walisischen Insel Anglesey — 1809 vom Ingenieur Daniel Alexander erbaut, 28 Meter hoch — ist einer der fotogensten Leuchttürme Großbritanniens. Trinity House hat die Zugehörigen Cottages an einen privaten Betreiber verpachtet. Gäste überqueren die Hängebrücke über die Schlucht, in der Papageientaucher nisten, und wohnen unmittelbar neben dem aktiven Turm. Der Turm selbst ist für Tagesbesucher geöffnet; die 400 Stufen hinab zum Ufer sind Teil jedes Morgenspaziergangs. Das weiße Licht trägt 28 Seemeilen weit.

Heceta Head, Oregon

Am zentralen Küstenabschnitt Oregons steht Heceta Head Lighthouse, 1894 erbaut, 26 Meter hoch. Seine Fresnel-Linse der zweiten Ordnung ist eine der stärksten noch in Betrieb befindlichen Linsen an der amerikanischen Küste; das Licht trägt 21 Seemeilen. Das Keeper's House, ein viktorianisches Duplex aus dem Jahr 1894, wird als Bed-and-Breakfast geführt. Die Betreiber servieren ein mehrgängiges Frühstück im Esszimmer der ursprünglichen Wärterfamilien. US Highway 101 verläuft unmittelbar hinter dem Gelände; dennoch vermittelt der Blick aus dem Schlafzimmer auf den Pazifik das Gefühl totaler Küsteneinsamkeit.

Bass Harbor Head, Maine

Bass Harbor Head Lighthouse, erbaut 1858 auf Mount Desert Island, gehört zu den meistfotografierten Leuchttürmen Neuenglands. Er steht technisch noch im Dienst der US Coast Guard, die einige Wohneinheiten auf dem Gelände für Dienstangehörige vorhält. Zivile Kurzzeitmieten sind selten verfügbar, aber über spezielle Versteigerungsprogramme des National Park Service gelegentlich zugänglich. Der 26 Fuß hohe Turm emittiert ein rotes Blinklicht, Fl R 4s, das den felsigen Eingang zum Bass Harbor markiert.

Point Cabrillo, Kalifornien

Das Point Cabrillo Light Station State Historic Park nördlich von Mendocino bietet drei restaurierte Wärterhäuser zur Miete an. Die Station wurde 1909 errichtet, um die Frachtschiffe zu führen, die Holz aus den Redwood-Wäldern transportierten. Die Dreiflügelanlage mit dem weißen Holzturm und der Dioptrie-Linse dritter Ordnung ist vollständig erhalten. Das lichteste der drei Häuser fasst sechs Personen. Freiwillige Leuchtturmwächter leben während der Saison auf dem Gelände und führen Besucher durch die Laternenkammer; wer eine Woche mietet, ist häufig eingeladen, an der Frühwache teilzunehmen.

Leuchtturm Bastorf, Mecklenburg-Vorpommern

An der deutschen Ostseeküste, wenige Kilometer östlich von Kühlungsborn, kann man im ehemaligen Wärterhaus des Leuchtturms Bastorf übernachten. Der Turm selbst, ein schlanker gelber Ziegelturm von 1879, ist heute automatisiert und sendet Fl(3) W 15s über die Mecklenburger Bucht. Die Ferienwohnung im Erdgeschoss des Nebengebäudes bietet Platz für eine kleine Familie. Der Blick auf das offene Meer und die Nähe zum Fischerdorf Bastorf machen die Anlage zu einem ruhigen Gegenpol zu den überfüllten Strandorten der Umgebung.

Praktisches zum Leuchtturm-Urlaub

Die Buchungskanäle unterscheiden sich stark: Landmark Trust und die irische Organisation Irish Landmark Trust betreiben eigene Websites mit direkter Buchung. Schottische Leuchttürme unter dem Northern Lighthouse Board laufen häufig über Cottages.com oder Airbnb. Amerikanische Stationen sind oft beim California State Parks-System, über Recreation.gov oder einzelne Lighthouse-Trusts buchbar. Die Nachfrage übersteigt das Angebot erheblich; populäre Objekte wie Rua Reidh oder Old Light auf Lundy sind ein Jahr im Voraus ausgebucht. Wer flexibel ist und die Nebensaison wählt — November bis März — findet häufig kurzfristige Verfügbarkeiten.

Wichtig zu wissen: Aktive Leuchttürme unterliegen Einschränkungen. Der Laternenkopf bleibt in der Regel verschlossen; das automatische Licht dreht sich nach einem festen Programm ohne menschliches Zutun. Manche Anlagen haben Sicherheitszonen um den Turm, die nachts nicht betreten werden dürfen. Wer erwartet, das Licht selbst zu entzünden, wird enttäuscht sein. Wer aber in der Dämmerung zusieht, wie das Blinkfeuer automatisch erwacht und seinen Takt über das Wasser sendet, wird verstehen, warum Menschen ihr Leben dem Dienst an diesen Türmen widmeten.

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