Die Geschichte des Eddystone-Leuchtturms
Das Riff vor Plymouth
Vierzehn Seemeilen südlich von Plymouth Sound ragt aus der Ärmelkanalströmung ein Felsenrücken, der bei Niedrigwasser kaum die Oberfläche berührt. Eddystone Rocks heißt diese Gruppe ausgewaschener Gneisbrocken, benannt nach dem wirbelnden Tidenstrom, der sie umspielt. Für Schiffe, die zwischen dem Atlantik und dem Hafen von Plymouth navigierten — Handelssegler, Kriegsschiffe, Fischerboote —, war das Riff eine der gefürchtetsten Fallen der britischen Küste. Im Herbst 1696 heuerte ein exzentrischer englischer Kaufmann namens Henry Winstanley an, das Problem zu lösen.
Der erste Turm: Winstanley, 1698
Henry Winstanley hatte kein Ingenieurstudium absolviert und keine Erfahrung mit Offshore-Bauwerken. Was er besaß, war Kapital, Ehrgeiz und eine merkwürdige Leidenschaft für mechanische Spielereien — er unterhielt zu Hause in Essex ein 'Wunderhaus' voller Automaten und beweglicher Dekorationen. Seinen ersten Eddystone-Turm begann er 1696 und vollendete ihn 1698: ein hölzernes, achteckiges Gebäude auf eisernen Pfählen, die in das Riff eingebohrt worden waren.
Der Turm leuchtete am 14. November 1698 zum ersten Mal. Winstanley hielt ihn für so solide, dass er öffentlich wünschte, er möge sich in dem schlimmsten Sturm befinden, den die See je gesehen habe. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1703 war genau das der Fall. Der Große Sturm von 1703, der schlimmste Orkan, der England in historischer Überlieferung traf, fegte über den Kanal. Als der Morgen graute, war vom Turm nichts mehr zu sehen. Winstanley, seine Mannschaft und seine Konstruktion waren spurlos verschwunden.
Der zweite Turm: Rudyerd, 1709
Der Händler Lovett und die Partnergesellschaft beauftragten 1706 den Seidenhändler John Rudyerd — wieder kein Ingenieur — mit dem Neubau. Rudyerd wählte eine gründlichere Konstruktion: Statt Eisenpfählen ließ er Holzpflöcke direkt in den Felsen rammen, darauf einen hölzernen Kegelturm, der breiter als sein Vorgänger und aerodynamischer gestaltet war. 1709 ging Rudyerds Turm in Betrieb.
Er überstand neunundvierzig Jahre Sturm und Seegang, bis am 2. Dezember 1755 Feuer in der Laternenkammer ausbrach. Das Holz und die Bleiverschalung brannten wie Zunder; der Turm brannte drei Tage lang und stürzte dann ins Meer. Eine Kuriositätengeschichte aus diesem Brand berichtet, dass ein alter Wärter beim Versuch, das Feuer zu löschen, auf flüssiges Blei vom Dach blickte und einen Schluck verschluckte. Er überlebte noch zwölf Tage; die Autopsie fand angeblich eine Bleikugel in seinem Magen.
Der dritte Turm: Smeaton, 1759
John Smeaton war der erste Ingenieur unter den Eddystone-Bauherren, und sein Turm war der erste, der auf einem wissenschaftlichen Verständnis von Kräften und Materialien beruhte. Smeaton studierte die Form von Eichenbäumen: Der Stamm einer Eiche verjüngt sich von einer breiten Basis nach oben und biegt sich im Wind, statt zu brechen. Er übersetzte diese Form in Stein — einen Granitturm mit einer konkaven Kegelkurve an der Basis, die einlaufende Wellen zerstreut statt ihnen Angriffsfläche zu bieten.
Smeatons zweite Innovation war hydraulischer Mörtel. Er experimentierte mit gebranntem Kalkstein aus der Grafschaft Cumberland, der — anders als gewöhnlicher Kalk — unter Wasser aushärtete. Dieser Mörtel verband die granitenen Verzahnungsblöcke zu einem monolithischen Körper. Der Turm war 22 Meter hoch und leuchtete ab 16. Oktober 1759.
Er stand siebenundneunzig Jahre. Was ihn schließlich zwang, war nicht Sturmschaden, sondern der Felsen darunter: Der Gneis unter der Fundamentbasis war langsam, aber messbar, durch den dauernden Wellendruck unterhöhlt worden. 1877 begann der Bau eines Nachfolgers; 1882 wurde Smeatons Turm abgetragen, in seine Bestandteile zerlegt und auf dem Plymouth Hoe wiederaufgebaut, wo er noch heute steht — als nationales Denkmal und Monument für die Ingenieurleistung.
Der vierte Turm: Douglass, 1882
Sir James Nicholas Douglass entwarf den heutigen Eddystone-Leuchtturm: 49 Meter hoch, 2.171 Granitblöcke, ein Turm nach dem bewährten Smeaton-Prinzip der verzahnten Konuskurve, aber größer, massiver und mit verbesserter Linsentechnik. Der Bau begann 1878 und wurde von der neuen Turmgröße abhängig gemacht — Douglass hatte zunächst den Felsen unter dem alten Smeaton-Turm begutachtet und festgestellt, dass der neue Turm auf solidem Gneis gegründet werden musste, weshalb sein Standort leicht versetzt ist.
Das Licht ging am 18. Mai 1882 in Betrieb. Das heutige Feuer ist Fl(2) W 10s und trägt 22 Seemeilen. Der Turm ist automatisiert seit 1982, also exakt hundert Jahre nach seiner Fertigstellung. Er wird von Trinity House aus Harwich fernüberwacht.
Vier Türme, ein Riff
Was die Eddystone-Geschichte einzigartig macht, ist nicht die Folge der Katastrophen — andere Riffe haben ebenso viele Schiffe gefordert — sondern die Abfolge der Baulösungen. Jeder Turm ist eine Antwort auf das Versagen des Vorgängers; jeder steht auf demselben Platz, demselben Riff, derselben Gefahr. Winstanley starb in seinem Werk. Rudyerd verlor seinen Bau ans Feuer. Smeaton verlor seinen an die Geologie. Douglass baute ihn, der noch steht.
Das Riff selbst hat sich nicht verändert. Der Tidenstrom wirbelt noch um die Gneisbrocken wie vor dreihundert Jahren. Was sich geändert hat, ist das menschliche Verständnis der Kräfte, die dort wirken — und die Materialien, mit denen man ihnen begegnet.
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