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Einen Leuchtturm besteigen: Was Sie erwartet

Vor dem ersten Schritt

Ein Leuchtturm von außen zu betrachten und einen Leuchtturm zu besteigen sind grundverschiedene Erfahrungen. Von der Straße aus sieht der Turm kompakt aus, fast gedrungen im Verhältnis zur Landschaft. Erst wenn man durch die schmale Eingangstür tritt, begreift man, welche Strecke nach oben wartet. Wer zum ersten Mal einen der großen Küstenleuchttürme erklimmt – etwa den Cape Hatteras in North Carolina mit 198 Stufen, oder den Leuchtturm Hohe Weg in der Wesermündung, oder den Lindau-Leuchtturm im Bodensee – stellt schnell fest, dass Leuchttürme keine Aufzüge haben und nie hatten.

Die Stufen beginnen meist schon auf Höhe des Eingangsportals. Die Tür ist niedrig – gemessen an heutigen Standards, denn im 18. und 19. Jahrhundert war die Durchschnittsgröße geringer, und Türöffnungen wurden nicht für Komfort, sondern für Materialeffizienz dimensioniert. Innen riecht es nach altem Stein, Farbe und, in aktiven Türmen, nach dem leichten Ozonhauch elektrischer Technik.

Die Wendeltreppe

Das Herzstück jedes Leuchtturms ist die Treppe. Sie kann aus Stein sein, wie in den älteren Türmen der britischen Inseln, aus gusseisernem Spiralgitter wie in den amerikanischen Gusseisenmast-Leuchttürmen des 19. Jahrhunderts, oder aus Beton in den Türmen des 20. Jahrhunderts. In zylindrischen Türmen mit massiven Außenwänden liegt die Treppe entweder als Wendeltreppe in der Wand selbst oder als freistehende Spirale im zentralen Hohlraum.

Das Charakteristikum der Wendeltreppe im Leuchtturm ist ihre Enge. Die Außenlinie folgt der Krümmung des Turms, die Innenseite dreht sich um eine zentrale Säule, und zwischen beiden bleibt Platz für eine Person mit einem Ölkrug oder einem Ersatzlinsensegment. Begegnet man in einem aktiven Turm einem Wartungstechniker, muss einer von beiden zur Seite treten und warten, bis der andere vorbei ist. In manchen Türmen, etwa im alten Leuchtturm von Rubjerg Knude in Dänemark, ermöglicht eine etwas breitere Treppe ein Gegeneinandervorbei, aber die Regel ist Einspurigkeit.

Die Anzahl der Stufen variiert erheblich. Der Leuchtturm Kap Arkona auf Rügen – der größte von drei Türmen auf dem Kap, 1826 von Karl Friedrich Schinkel entworfen und 35 Meter hoch – hat 135 Stufen aus Backsteinmauerwerk. Cape Reinga in Neuseeland hat nur 54 Stufen, ist aber auf einem Kap errichtet, das selbst schon erhöht liegt. Cape Bonavista in Neufundland, ein Turm aus dem Jahr 1843, hat 70 Stufen, die sich in zwei Abschnitte unterteilen, getrennt von einer kleinen Plattform mit einem Fenster zur See hin.

Zwischenebenen und Fenster

In großen Türmen gibt es Zwischenpodeste oder ganze Ebenen, auf denen der Turmwächter früher Öl und Ausrüstung lagerte. Diese Ebenen sind identifizierbar an breiteren Türöffnungen, flachen Böden und manchmal an Aufhängehaken oder eingelassenen Regalen in der Wand. Auf dem Leuchtturm von Cordouan an der Gironde-Mündung – dem einzigen noch bemannt betriebenen Leuchtturm Frankreichs – gibt es mehrere solche Ebenen, darunter einen ehemaligen Königssaal und eine Kapelle, denn der Turm wurde im 16. Jahrhundert ursprünglich als Gebäudekomplex konzipiert.

Durch die Fenster verändert sich der Blick mit jeder Umdrehung der Treppe. Zuerst sieht man Mauerwerk, Wiese, das Dach eines Nebengebäudes. Dann taucht das Meer auf, zunächst als schmaler Streifen, dann als immer breiteres Band. Auf halber Höhe ist es oft das erste Mal möglich, über die nächste Küstenerhebung hinaus zu sehen. Bei 30 Metern über dem Meeresspiegel liegt die geometrische Sichtweite bei rund 20 Kilometern; bei 60 Metern bei 28 Kilometern. Das erklärt, warum Leuchttürme gebaut wurden, wo sie stehen.

Der Laternenraum

Am oberen Ende der Treppe öffnet sich eine Luke oder Tür in den Laternenraum – den Raum, der das eigentliche Licht enthält. Der Übergang ist abrupt: Von der engen, gedämmten Treppe tritt man in einen kreisförmigen Raum aus Metall und Glas, hell und winddurchzogen, wenn die Fenster geöffnet sind, und von einem Netz aus Messingrahmen überzogen, die die zylindrischen Linsenpaneele halten oder hielten.

In Türmen mit erhaltenen Fresnel-Linsen – wie dem Point Sur Lighthouse in Kalifornien, dem Leuchtturm Borkum Großfeuer oder dem Phare d'Eckmühl in der Bretagne – füllt die Linse selbst fast den gesamten Raum. Eine Linse der ersten Ordnung, wie sie in wichtigen Küstenleuchtfeuern eingesetzt wurde, kann 2,7 Meter hoch und 1,8 Meter im Durchmesser sein. Steht man daneben und schaut durch die konzentrischen Prismensegmente, vervielfacht sich das Licht zu prismatischen Fragmenten. In Betrieb, rotierend, ist die Linse ein physisches Argument für die Schönheit zweckmäßiger Technik.

Moderne automatisierte Türme enthalten statt der alten Optik meist einen kompakten LED-Blinkgeber – kleiner als ein Abfalleimer, weit effizienter, aber unspektakulär. In diesen Türmen ist der Laternenraum leer bis auf die Technik, und der eigentliche Anblick liegt draußen.

Die Galerie und der Blick

Rund um den Laternenraum verläuft eine umlaufende Galerie – ein schmaler Balkon mit einem Geländer aus Gusseisen oder geschweißtem Stahl. Hier, außen am Turm, wird jede Vorstellung von Enge aufgelöst. Der Wind kommt ungehindert vom offenen Meer, der Horizont liegt in seiner vollen Breite, und die Küste darunter zeigt ihre tatsächliche Form: Felskanten, Buchten, Wattflächen, Siedlungen, die von der Straße aus niemals so geordnet wirken wie von oben.

Für Leuchttürme auf Felsenriffen oder weit vorspringenden Kaps – Helgoland Unterfeuer, Leuchtturm List Ost auf Sylt, Punta Almina in der Straße von Gibraltar – ist die Galerie der Beweis für die Lage: Man steht über dem Meer, nicht neben ihm. An ruhigen Tagen ist das ein Genuss; bei auflandigem Wind ein Moment, der die Entscheidung der Leuchtturmwärter früherer Jahrhunderte verständlich macht, ihre Familien lieber unten zu lassen.

Praktisches für Besucher

Nicht alle öffentlich zugänglichen Leuchttürme erlauben die Besteigung. Einige sind wegen statischer Bedenken oder mangelnder Wartung auf den unteren Teil beschränkt. Andere öffnen nur in bestimmten Monaten. In Deutschland koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz viele Turmbesteigungen im Rahmen des Tags des offenen Denkmals; Trinity House in England betreibt für einige seiner Türme geführte Besichtigungen. In den USA ist die Palette am breitesten: Cape Lookout in North Carolina, Admiralty Head in Washington State und Montauk Point in New York können in der Saison für kleine Eintrittsgebühren bestiegen werden.

Wer wissen will, wo in seiner Region ein öffentlich zugänglicher Turm steht, kann die Karte öffnen und nach besteigbaren Türmen filtern. Praktische Ausrüstung für die Besteigung ist minimal: festes Schuhwerk wegen metallener Treppengitter, Kleidung für mehr Wind als unten erwartet, und die Bereitschaft, die letzten Stufen langsam zu nehmen – nicht aus Schwäche, sondern weil der Blick von oben eine Ankunft verdient, keine Hast.