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Die Rolle von Trinity House

Eine Gilde mit Königsbrief

Im Jahr 1514 erteilte König Heinrich VIII. einer Vereinigung von Seeleuten und Schifffahrtsexperten in Deptford am Südufer der Themse einen königlichen Freibrief: Sie sollten das Recht erhalten, Piloten an der englischen Ostküste zu prüfen und zu lizenzieren, um inkompetente Lotsen von der Führung von Schiffen durch den Themse-Ästuar auszuschließen. Diese Vereinigung nannte sich die Confraternity of the Most Glorious and Undivided Trinity and of St Clement — bekannt als Trinity House.

Die ursprüngliche Aufgabe war Regulierung, nicht Infrastruktur. Trinity House sollte die Qualität der Piloten sichern, nicht Leuchttürme bauen. Doch in den folgenden Jahrhunderten weitete sich die Zuständigkeit schrittweise aus: Baken, Bojen, Feuerschiffe, schließlich Leuchttürme. 1566 erhielt Trinity House per Act of Parliament das Recht, Seezeichen an der englischen Küste zu errichten; 1594 bekam es das Monopol auf die Errichtung solcher Zeichen. 1609 erweiterte ein weiterer Act die Zuständigkeit auf Wales.

Das System der Privatleuchttürme

Die Geschichte der britischen Leuchttürme im 17. und 18. Jahrhundert ist von einem merkwürdigen System geprägt: Trinity House besaß zwar das theoretische Monopol, verpachtete aber das Recht zur Errichtung und Betreibung einzelner Leuchttürme an Privatpersonen, die von vorbeifahrenden Schiffen Gebühren (light dues) erhoben. Der berühmteste dieser Privatleuchttürme war Eddystone; andere standen auf Dungeness, auf den Copeland Islands und an verschiedenen Punkten der englischen Ost- und Südküste.

Diese Privatleuchttürme waren oft schlecht gewartet, unzuverlässig beleuchtet und die Pächter diktierten die Gebühren nach eigenem Ermessen. Samuel Pepys, der als Sekretär des Admiralitätsamts Mitte des 17. Jahrhunderts eng mit Trinity House zusammenarbeitete, beklagte wiederholt die Qualität dieser Einrichtungen. Das System war in den Augen der Handelsschifffahrt ein Ärgernis, in den Augen der Pächter ein lukratives Erbe.

1836 beendete der Trinity House Act dieses System endgültig. Das Parlament verpflichtete Trinity House, alle Privatleuchttürme in England und Wales aufzukaufen — zum Teil zu erheblichen Entschädigungssummen. Die Kosten dieser Verstaatlichung beliefen sich auf mehrere Millionen Pfund und wurden über den Leuchtturmfonds (General Lighthouse Fund) finanziert, der aus den light dues aller Schiffe gespeist wurde. Ab 1836 war Trinity House die alleinige Leuchtturmautorität für England und Wales.

Was Trinity House heute tut

Trinity House ist heute eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die unter dem Ministerium für Verkehr (Department for Transport) operiert. Ihre Kernaufgabe ist das Setzen, Betreiben und Warten aller Leuchttürme, Feuerschiffe (light vessels), Lanterns on floating aids (LFAs), Bojen und Baken an der englischen und walisischen Küste sowie einiger Inseln. Das Gebiet umfasst den Kanal, die Irische See, den Bristolkanal, die Nordsee südlich von Berwick-upon-Tweed und die Schifffahrtswege um die Kanalinseln.

Die Behörde unterhält heute 65 Leuchttürme in England und Wales, 11 light vessels, über 450 Bojen und eine große Zahl von Baken. Zentrum der Operationen ist ein Kontrollraum in Harwich, Essex, von dem aus alle Leuchtturm-Fernüberwachungsdaten empfangen werden. Anlagenstörungen werden automatisch gemeldet; Techniker- und Hubschrauberteams reagieren auf Ausfälle.

Die Finanzierung durch light dues

Das System der light dues — Hafengebühren, die Schiffe für die Nutzung des Beleuchtungs- und Betonungsnetzes zahlen — besteht in modifizierter Form bis heute. Alle in britischen Häfen ein- und auslaufenden Handelsschiffe entrichten eine Gebühr, die nach Tonnage berechnet wird; diese Einnahmen fließen in den General Lighthouse Fund. Aus diesem Fonds werden alle drei General Lighthouse Authorities finanziert: Trinity House für England und Wales, das Northern Lighthouse Board für Schottland und die Isle of Man, sowie die Commissioners of Irish Lights für Irland — nord und süd.

Das Bemerkenswerte an diesem System ist seine Stabilität: Die Grundstruktur der light dues existiert seit dem 16. Jahrhundert. Natürlich wurde sie vielfach reformiert, modernisiert und den veränderten Schifffahrtsverhältnissen angepasst, aber das Prinzip — die Nutzer zahlen für die Sicherheitsinfrastruktur — hat fünf Jahrhunderte überdauert.

Brüder und Ehrenmitglieder

Trinity House ist keine rein administrative Behörde; sie hat eine korporative Identität als Bruderschaft der Seeleute beibehalten. Der Körper besteht aus 'Brethren' (Brüdern) — aktiven und pensionierten hochrangigen Seefahrtsoffizieren, die die Entscheidungsgremien bilden. Der Elder Brother (Ältester Bruder) ist das höchste operative Amt; der Monarch ist traditionell Master, was in der Geschichte durch Figuren wie Samuel Pepys, Prinz Albert und in jüngster Zeit durch HRH the Duke of Edinburgh verkörpert wurde.

Eine Besonderheit: Trinity House ernennt auch Ehren-Brüder aus dem öffentlichen Leben, wenn diese eine besondere Verbindung zur Seefahrt haben. Zu diesen zählten in der Vergangenheit Admiral Lord Nelson und Sir Francis Drake. Diese Tradition erinnert daran, dass Trinity House ursprünglich eine Gilde war, keine Bürokratie, und dass ihre Identität auf der Gemeinschaft der Seefahrenden beruht.

Die Leuchttürme als Erbe

Viele der Gebäude, die Trinity House verwaltet, sind im britischen Denkmalschutzregister (Listed Buildings) eingetragen. Einige, wie der Beachy Head Lighthouse (1902, Robin Hood's Bay), Portland Bill (1906) und Longstone (1826, bekannt durch Grace Darlings Rettungstat von 1838), sind touristisch erschlossen. Trinity House vermarktet Besuchsprogramme für ausgewählte Türme und betreibt das Trinity House Lighthouse Centre in Penzance, das die Geschichte der Organisation und der britischen Leuchtturmtechnik dokumentiert.

Karte öffnen und alle von Trinity House betriebenen Leuchttürme an der englischen und walisischen Küste auf der interaktiven Karte finden.