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Die 10 schönsten Leuchttürme Estlands

Estlands Küstenlinie erstreckt sich über mehr als 3.700 Kilometer, wenn man die zahlreichen Inseln, Halbinseln und die tiefen Einschnitte des Finnischen Meerbusens und der Ostsee mit einbezieht. Diese Küste war und ist eine der navigatorisch anspruchsvollsten Europas: flache Schären und Riffe, saisonale Eisbedeckung, und in den Flachgewässern des Rigaischen Meerbusens kaum drei Meter Tiefe. Das russische Kaiserreich baute im 18. und 19. Jahrhundert ein umfassendes Netz von Leuchttürmen auf den westestnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa auf, viele davon aus massiven Kalksteinblöcken gefertigt, die der Ostseewitterung über Generationen standgehalten haben. Diese Türme erzählen von der Zeit, als Estland Teil des russischen Imperiums war – und von den Seefahrern, die ihnen ihr Leben anvertrauten. Öffnen Sie die Karte für alle kartierten Leuchttürme Estlands.

1. Kõpu Lighthouse, Hiiumaa

Kõpu auf der Insel Hiiumaa ist einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Leuchttürme der Welt. Der mächtige, sich nach oben verjüngende Kalksteinturm wurde 1531 errichtet – ursprünglich als Seezeichen der Hanse, die den Seehandel mit Tallinn und Riga absicherte – und ist damit eines der ältesten betriebenen Leuchtfeuer weltweit. Der Turm ist 36 Meter hoch und steht auf einer Erhebung von über 100 Metern über dem Meeresspiegel; das Feuer Fl(2) 20s hat eine Reichweite von 26 Seemeilen. Kõpu ist ganzjährig zugänglich und kann von innen bestiegen werden; das nahegelegene Museum erklärt die Geschichte des Leuchtturms, der fünf Jahrhunderte überdauert hat.

2. Tahkuna Lighthouse, Hiiumaa

Der Tahkuna-Leuchtturm an der Nordspitze Hiiumaas ist ein gusseisernes Meisterwerk des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1875 von dem Pariser Ingenieurunternehmen Gustave Eiffel et Compagnie (also demselben Büro, das den Eiffelturm baute) vorgefertigt und auf der Insel montiert – ein technisch beachtliches Unterfangen in einer entlegenen Region der Ostsee. Der leuchtend rote Metallturm ist 43 Meter hoch und sendet Fl(3) 15s mit einer Reichweite von 19 Seemeilen aus. Tahkuna ist für Besucher zugänglich; die Umgebung ist vom Gedenken an den Untergang der Estonia 1994 geprägt, deren Trümmer östlich von Hiiumaa liegen.

3. Ristna Lighthouse, Hiiumaa

Ristna markiert die Westspitze Hiiumaas an der exponiertesten Position der Insel gegenüber dem offenen Finnischen Meerbusen. Wie Tahkuna ist auch dieser Leuchtturm ein Gusseisenturm aus dem Jahr 1874, ebenfalls von Gustave Eiffel vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt. Die 52 Meter hohe Konstruktion – der höchste gusseiserne Leuchtturm Estlands – sendet ein Gruppenblinkfeuer Fl(2) WR 12s mit einer Reichweite von 26 Seemeilen und zeigt dabei verschiedenfarbige Sektoren für die gefährlichen Passagen westlich von Hiiumaa. Ristna ist auf Hiiumaa per Fahrrad oder Mietauto erreichbar; die Halbinsel rund um das Kap ist ein Teil des Biosphärenreservats Westestnische Inseln.

4. Sõrve Lighthouse, Saaremaa

Am südlichsten Zipfel der Insel Saaremaa, der Sõrve-Halbinsel, steht dieser mächtige Leuchtturm, der den Eingang zum Rigaischen Meerbusen bewacht. Der heutige Stahlgitterturm ist ein Nachkriegsbau (1960er Jahre), denn der ursprüngliche Betonturm aus dem frühen 20. Jahrhundert wurde im Zweiten Weltkrieg gesprengt – der Sõrve-Halbinsel, auf der heftige Kämpfe zwischen sowjetischen und deutschen Truppen tobten, hinterließen tiefe Wunden. Das Feuer Fl(2) 10s hat eine Reichweite von 26 Seemeilen und ist für den Schiffsverkehr in den Meerbusen von Riga unentbehrlich. Der Leuchtturm und das nahegelegene Kriegsdenkmal lassen sich per Auto von Kuressaare aus erreichen.

5. Kihnu Lighthouse, Kihnu-Insel

Kihnu, eine kleine Insel im nördlichen Rigaischen Meerbusen, ist für ihre einzigartige matriarchale Gemeinschaftskultur bekannt – UNESCO-Weltkulturerbe. Der Leuchtturm der Insel wurde 1864 erbaut und ist ein typischer russisch-baltischer Kalksteinturm dieser Ära. Er sendet Fl(2) WR 10s mit einer Reichweite von 15 Seemeilen aus. Kihnu ist mit einer kleinen Propellermaschine oder der Fähre von Pärnu erreichbar; der Besuch verbindet Leuchtturmbeschäftigung mit dem einzigartigen Kulturerbe der Inselbewohnerinnen, die noch heute traditionelle Röcke und Handarbeiten pflegen.

6. Pirita Sihi Alumine Tulepaak, Tallinn

Dieses Richtfeuersystem an der Mündung des Pirita-Flusses nördlich von Tallinn weist Schiffen den Kurs in den Tallinner Hafen durch die flachen Gewässer des Finnischen Meerbusens. Das Vorfeuer (alumine bedeutet 'unteres') bildet zusammen mit dem Hinterfeuer eine Richtlinie für die Einfahrt. Die bescheidene technische Konstruktion steht im Kontrast zur Bedeutung der Anlage – Tallinn ist einer der meistfrequentierten Kreuzfahrthäfen der Ostsee. Die Pirta-Küste ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für Tallinner.

7. Kajakarahu Sihi Alumine Tulepaak, Saaremaa

Kajakarahu, auf einer kleinen Schäre vor der Ostküste Saaremaa, trägt ein Richtleuchtfeuer, das zusammen mit dem höheren Hinterfeuer die Fahrrinne in die Bucht von Kuressaare markiert. Der kleine Metallturm ist ein weitgehend unbekanntes, aber für die lokale Navigation wichtiges Seezeichen. Die Schären rund um Kuressaare sind ein beliebtes Kajak- und Segelgebiet.

8. Madise Sihi Alumine Tulepaak, Saaremaa

An der Nordwestküste Saaremaa, in der Nähe des Kaps Madise, steht dieses Richtfeuer als Teil der Einfahrtsmarkierung für ein flaches Revier zwischen Saaremaa und dem Festland. Die strukturell schlichten estnischen Küstenleuchtfeuer dieser Art sind typisch für das spätsowjetische und postsowjetische Seezeichensystem, das die zarische Infrastruktur ergänzte und teilweise ersetzte. Madise liegt in einem ruhigen, kaum touristisch erschlossenen Teil Saaremaa.

9. Pärnu Idamuuli Tulepaak, Pärnu

Am östlichen Mole des Hafens von Pärnu, Estlands bekanntestem Badeort, markiert dieses Hafenleuchtfeuer die Einfahrt in den Pärnu-Fluss. Der schlanke rote Metallturm ist ein typisches Hafenfeuer der Ostseeregion; er arbeitet mit einem Rot-Weiß-Sektorenfeuer, das sicheres Wasser und Untiefen unterscheidet. Pärnu ist im Sommer ein belebter Bade- und Segelort; die weißen Sandstrände der Stadt sind die beliebtesten Estlands.

10. Moldova Tulepaak, Hiiumaa

Ein kleines, wenig bekanntes Küstenfeuer im Nordwesten Hiiumaas markiert ein flaches Revier zwischen der Insel und der estnischen Küste. Der schlichte weiße Stahlturm ist für die Navigation von Fischerbooten und Freizeitseglern in diesem von Schären durchzogenen Abschnitt wichtig. Hiiumaa ist per Fähre von Rohuküla auf dem Festland erreichbar; die Insel ist für ihre unberührte Natur, Windmühlen und die außergewöhnlich ruhige Atmosphäre bekannt.

Praktische Hinweise

Kõpu und Tahkuna auf Hiiumaa sowie Sõrve auf Saaremaa sind die Pflichtpunkte für Leuchtturmbesucher in Estland. Hiiumaa und Saaremaa sind per Fähre von der Festlandküste erreichbar; Fähren fahren das ganze Jahr, auch wenn Eis im Winter die Verbindungen gelegentlich unterbricht. Kihnu und die anderen kleinen Inseln benötigen eine lokale Fähre oder Charterboot. Das Biosphärenreservat der westestnischen Inseln ist ideales Terrain für Radreisen. Alle Leuchttürme Estlands auf der interaktiven Karte entdecken.