Leuchttürme in Film und Fernsehen
Das Bild, das bleibt
Ein Leuchtturm in der Dämmerung — Licht dreht sich durch den Nebel, das Meer bricht sich darunter — ist eines der unmittelbarsten Bilder, die das Kino kennt. Es braucht keine Erklärung. Die Isolation, die Gefahr, die mechanische Unablässigkeit des Lichts gegen die Unberechenbarkeit des Wassers: Diese Spannung zieht Regisseure seit den Anfängen des Films an. Und weil der Leuchtturm visuell eindeutig ist — er kann nicht mit etwas anderem verwechselt werden — lässt er sich mit wenigen Schnitten als Ort etablieren, dessen Stimmung sofort lesbar ist.
Was folgt, ist kein Vollkatalog, sondern eine Auswahl von Filmen, Serien und Produktionen, die den Leuchtturm nicht als Kulisse benutzen, sondern als dramatisch und thematisch tragendes Element. Öffne die Karte, um die realen Standorte zu erkunden, die manche dieser Produktionen inspiriert haben oder als Drehort dienten.
«The Lighthouse» (2019, Robert Eggers)
Kein Film der letzten Jahrzehnte hat den Leuchtturm so radikal als psychologischen und mythologischen Raum ausgeleuchtet wie Robert Eggers' Schwarzweißfilm von 2019. Two men — Thomas Wake (Willem Dafoe) und Ephraim Winslow (Robert Pattinson) — sind auf einem abgelegenen Felsen irgendwo in Neuengland eingeschlossen, während ein Sturm über Wochen nicht nachlässt. Der Film, gedreht im Seitenverhältnis 1,19:1 (nahezu quadratisch) und auf orthochromatischem Schwarzweiß-Film, der das Bild archaisch und grafisch macht, nutzt den Leuchtturm als Achse eines Machtkampfs, einer Descent-into-Madness-Geschichte und einer Neuinterpretation des Prometheus-Mythos.
Der Drehort war Cape Forchu Lighthouse (Nova Scotia, Kanada) — nicht ein historischer, sondern ein moderner Betonturm — dessen klarer Umriss gegen Himmel und Meer für das gewünschte Bild transformiert wurde. Die Laterne selbst erscheint im Film als nahezu göttliches Objekt, das Wake verteidigt und Winslow begehrt.
«I Am the Pretty Thing That Lives in the House» (2016, Oz Perkins)
Perkins' Horrorfilm nutzt ein Küstenhaus mit Leuchtturmblick als Behälter für eine Geschichte über Geister und Vergänglichkeit. Weniger der Turm selbst als die Stimmung des isolierten Küstenlebens — das ewige Rauschen des Meeres, das Licht, das sich durch Fenster bewegt — prägt den Film. Ein Beispiel dafür, wie der Leuchtturm auch als indirektes Element funktioniert, als Licht, das von außen kommt und nie ganz erklärt wird.
«Portrait de la jeune fille en feu» (2019, Céline Sciamma)
Céline Scaommas Liebesfilm zwischen zwei Frauen im späten 18. Jahrhundert spielt auf einer Insel in der Bretagne, deren einzige Verbindung zur Außenwelt das gelegentliche Boot und das Leuchtfeuer in der Ferne sind. Der Leuchtturm ist hier kein dramatischer Akteur, aber eine epistemologische Grenze: jenseits davon die Welt, diesseits die Insel mit ihrer zeitlich begrenzten Freiheit. Die Bretagne selbst — felsig, windig, mit ihren wirklichen Leuchttürmen wie Ar-Men und La Vieille — bildet den atmosphärischen Rahmen.
«The Light Between Oceans» (2016, Derek Cianfrance)
Michael Fassbender spielt einen Leuchtturmwärter auf einem abgelegenen Felsen zwischen Australien und Antarktis, der mit seiner Frau (Alicia Vikander) ein gefundenes Baby aufzieht, ohne die Behörden zu benachrichtigen. Der Film basiert auf M.L. Stedmans Roman von 2012 und nutzt die physische Isolation des Leuchtturms als Bedingung, unter der eine ungewöhnliche moralische Entscheidung nicht nur möglich, sondern fast zwangsläufig erscheint. Gedreht wurde in Neuseeland und Australien; der fiktive «Janus Rock Lighthouse» hat keine direkte Vorlage, aber das Erscheinungsbild ist an australische Federation-Ära-Leuchttürme angelehnt.
Alfred Hitchcock und die Lichtsymbolik
Hitchcock nutzte den Leuchtturm selten direkt, aber sein Werk ist durchzogen von der Metapher des rotierenden Lichts als Enthüllung und Gefahr. In «Vertigo» (1958) erscheint kein Leuchtturm, aber das ikonische Dolly-Zoom-Bild am Kirchturm von Mission Dolores arbeitet mit derselben Logik: das Licht, das aus der Höhe kommt und eine Wahrheit beleuchtet, die der Protagonist nicht erträgt. Kritiker haben den Leuchtturm als Subtext von «Psycho» (1960) identifiziert — das Motel-Schild blinkt, das Haus auf dem Hügel wacht, das Licht geht und kommt.
«Round The Bend» und Leuchtturm-Dokumentarfilme
Im Dokumentarfilm ist der Leuchtturm ein eigenes Genre. Die BBC produzierte mehrere erfolgreiche Reihen über das Leben der Leuchtturmwärter und die Automatisierung: «Lighthouse» (1984), begleitet die letzten Jahre bemannter irischer Leuchttürme; «The Last Lighthouse Keeper» (ITV, 1994) folgt dem letzten Wärter auf dem North Foreland Lighthouse in Kent, der 1998 mit der Automatisierung seine Stelle verlor. Diese Dokumentarfilme haben das sentimentale Bild des einsamen, pflichtbewussten Wärters in der britischen Populärkultur verankert.
«Tristan und Isolde», Opernbühne und Leuchtturm-Bühnenbild
Über das Kino hinaus hat der Leuchtturm das Bühnenbild von Opernproduktionen und Theaterinszenierungen geprägt. Wagner-Inszenierungen von «Tristan und Isolde», mit ihrer zentralen Metapher der Sehnsucht über das Wasser, nutzen seit Jahrzehnten Leuchtturm-Motive als visuelles Leitmotiv. Pier Paolo Pasolini beschrieb in seinem Essayfilm «Comizi d'amore» (1964) das Leuchtfeuer als Metapher für Eindeutigkeit in einer mehrdeutigen Welt.
Werbung, Musikvideos und die visuelle Grammatik des Leuchtturms
Der Leuchtturm ist im Werbevideo überstrapaziert — er steht für Sicherheit, Orientierung, Verlässlichkeit, und keine Versicherungs- oder Bankenwerbung der 1990er Jahre schien ohne ihn auszukommen. Aber in der Hand eines sorgfältigen Musikvideokünstlers bleibt er wirkungsvoll: Peter Gabriels «Sledgehammer»-Video (1986, animiert von Nick Park und Aardman) enthält eine kurze Leuchtturm-Sequenz als Teil seiner surrealen Montage; Björks isländische Ästhetik nutzt wiederholt Küstenarchitektur, die an Leuchtfeuer erinnert.
«The Lighthouse Keeper's Rescue» — frühes Kino
Einer der frühesten Spielfilme mit Leuchtturm-Sujet ist «The Lighthouse Keeper» (1911, Vitagraph), in dem eine Tochter die Pflicht ihres verletzten Vaters übernimmt, das Feuer zu entzünden. Dieser Plot — Frau als Leuchtturmwärterin in Notsituation, Schiff gerettet — taucht in Dutzenden von Stummfilmen der 1910er Jahre auf und spiegelt die reale Geschichte von Grace Darling (Rettung der Forfarshire-Überlebenden, 1838) wider, die zur Zeit des frühen Kinos noch in lebendiger Erinnerung war.
Das Kino hat den Leuchtturm nie losgelassen — und wird es nicht. Die Kombination aus Einsamkeit, mechanischer Notwendigkeit und der einfachen Dichotomie von Licht und Dunkelheit, Sicherheit und Gefahr, ist zu universell und zu visuell für das Medium, als dass sie je aus der Mode käme.