Wendeltreppen und Leuchtturminnenräume
Der erste Schritt in den Turm
Wer zum ersten Mal einen Leuchtturm betritt, erwartet vielleicht eine enge, dumpfe Kammer. Was ihn stattdessen empfängt, ist oft das Erstaunen über die Präzision und Eleganz einer Konstruktion, die für die Ewigkeit gedacht war. Die Eingangstür, aus massivem Eichenholz oder geschmiedetem Eisen, führt in ein gewölbtes Untergeschoss mit Wänden von einem halben bis zu anderthalb Metern Stärke. Die Luft riecht nach feuchtem Stein, nach dem Mauerwerk von Jahrhunderten. Und direkt gegenüber beginnt die Treppe.
Die Wendeltreppe ist das strukturelle Rückgrat des Leuchtturms. In einem Turm ohne Zwischenwände – was die meisten Steinleuchttürme sind – ist die Treppe das einzige Element, das den Innenraum erschließt und gleichzeitig zur Stabilität beiträgt. Eine gut konstruierte Wendeltreppe verteilt die Lasten spiralförmig ab und gibt dem Turm eine innere Steifigkeit, die er ohne sie nicht hätte.
Stein, Holz, Eisen: drei Treppenkulturen
Die ältesten Treppenlösungen in Leuchttürmen waren aus Stein: das gleiche Material wie der Turm selbst. Stufen aus lokalem Granit oder Kalkstein, eingemauert in die konische Innenwand, fanden sich in den frühen Leuchttürmen Großbritanniens und Nordeuropas. Der Bell Rock Lighthouse in der Nordsee, errichtet von Robert Stevenson zwischen 1807 und 1811, besitzt eine Innentreppe aus Granifstufen, die in die kreisrunde Innenwand eingelassen sind – ohne Geländer, ohne Stützsäule in der Mitte, freitragend.
Im 19. Jahrhundert begann die Eisengießerei die Leuchtturmtechnik zu dominieren. Gusseiserne Wendeltreppen boten mehrere Vorteile gegenüber Stein: Sie waren leichter und konnten in Fabriken vorgefertigt, dann zum Standort transportiert und montiert werden. Für Offshore-Leuchttürme, wo das Material per Boot und Seil an den Turm gebracht werden musste, war das ein entscheidender Vorteil. Der Eddystone Lighthouse in seiner heutigen Form, der dritte auf diesem Felsen und 1882 von James Douglass fertiggestellt, hat eine mehrgängige Gusseisentreppe, die durch drei separate Wohngeschosse, ein Servicegeschoss und das Laternenzimmer führt.
In Amerika entwickelten die Lighthouse Engineers des Corps of Topographical Engineers (und später des Lighthouse Board) eine eigene Ästhetik. Viele amerikanische Leuchttürme des 19. Jahrhunderts haben gusseiserne Wendeltreppen in Schwarz oder Dunkelrot gestrichen, mit sorgfältig profilierten Stufen und gedrechselten Geländerpfosten. Der Cape Hatteras Lighthouse in North Carolina, 1870 fertiggestellt und mit 198 Fuß (60 Metern) der höchste Ziegelsteinleuchtturm der USA, hat eine vierzügige Wendeltreppe mit 257 Stufen, deren gusseiserne Konstruktion bis heute in Betrieb ist.
Das Maß der Stufen: Ergonomie und Ermüdung
Wer täglich mehrfach auf einen Leuchtturm steigen musste – Wärter brachten Öl, polierten die Linse, regulierten den Dochtspiegel, schrieben das Logbuch –, hatte ein direktes Interesse an einer menschengerechten Treppe. Die Steigung der Stufen in Leuchttürmen ist deshalb oft flacher als man erwarten würde: nicht die steilen, engen Stufen eines mittelalterlichen Burgturms, sondern eine angenehme Spirale mit ausreichend tiefen Tritten.
Leuchtturmarchitekten des 19. Jahrhunderts empfahlen eine Stufenhöhe von etwa 18 Zentimetern und eine Auftrittstiefe (an der breitesten Stelle der Stufe) von mindestens 24 Zentimetern. Da Wendeltreppen in engen Türmen ihre Stufen an der Innenseite der Spirale auf nahezu null verjüngen, musste die Mitte der Treppe entsprechend weit vom Zentrum entfernt sein. Für einen Turm mit einem nutzbaren Innendurchmesser von vier Metern war das gerade noch machbar; für schmälere Türme wurden kompromissreiche Stufenformen entwickelt.
Stockwerke und ihre Funktion
Ein Leuchtturm ist kein Wohnhaus, aber er ist auch mehr als ein hohler Turm mit einer Lampe oben. Die meisten besetzten Leuchttürme des 18. und 19. Jahrhunderts hatten mehrere Etagen mit spezifischen Funktionen. Das Erdgeschoss diente als Lager für Öl, Werkzeug und Vorräte. Die mittleren Stockwerke enthielten Schlafräume und eine Küche für die Wärter. Das oberste Wohngeschoss, direkt unter der Laterne, war der Serviceraum: hier wurden die Uhrwerke der Rotationsmechanismen gewartet, hier lagerten die Werkzeuge für Linsenreinigung und Lampentausch.
Der Maugholt Head Lighthouse auf der Isle of Man, ein Turm von 1914, hat seine ursprüngliche Raumaufteilung weitgehend erhalten. Im zweiten Obergeschoss befindet sich noch der Tisch des Logbuchwärters, von dem aus er direkt durch das Fenster die See und den Bereich des Leuchtfeuers beobachten konnte. In vielen schottischen und irischen Leuchttürmen dieser Epoche waren die Wohnräume der Wärter mit verblüffendem Komfort ausgestattet: Kamine, eingebaute Schränke aus Kiefernholz, Tonfliesen auf den Böden – Zugeständnisse an die Männer, die monatelang auf diesen Felsen ausharrten.
Die Laternenhütte: Herz des Leuchtturms
Am Ende der Treppe, nach Dutzenden oder Hunderten von Stufen, betritt der Besucher die Laternenkammer: einen kreisrunden, verglasten Raum, in dem die optische Anlage thront. Die Laternenkammer ist konstruktiv einer der sensibelsten Bereiche des Turms. Sie muss dem Wind standhalten – auf exponierten Klippen können Böen von über 200 km/h erreicht werden –, gleichzeitig muss sie absolut transparent sein, und sie darf weder Kondensation noch Übertemperatur zulassen.
Die Verglasung der Laternenkammer bestand ursprünglich aus sehr kleinen Einzelscheiben, da es im frühen 19. Jahrhundert noch keine großen Flachglasscheiben gab. Spätere Konstruktionen nutzten rechteckige Scheiben von stetig wachsender Größe. Die Laternenkammer des Hurst Point Lighthouse in Hampshire, Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, zeigt das für englische Trinity-House-Konstruktionen typische Laternenmuster: sechs facettierte Sektionen mit je einer breiten Verglasung, eingefasst in robuste Eisensäulen.
Die zentrale optische Einheit – eine Fresnel-Linse ersten oder zweiten Grades, auf einem Bad aus flüssigem Quecksilber schwimmend – konnte Gewichte von einer bis zu mehreren Tonnen haben. Der Raum musste absolut erschütterungsfrei sein; ein Wärter, der die Linse versehentlich berührte, konnte das Blinkintervall verstellen. Zum Schutz gegen direktes Sonnenlicht wurden am Tag Vorhänge aus schwerem dunkelgrünem oder bordeauxroten Tuch vor die optische Anlage gezogen – Sonnenlicht hätte die Linse als Brennglas wirken und ein Feuer entfachen können.
Das Außenumgang (Gallery)
Unterhalb der Laternenkammer befindet sich der Außenumgang, auf Englisch 'gallery' genannt: eine umlaufende Plattform aus Gusseisen oder Stein, die den Wärtern ermöglichte, die Außenverglasung der Laterne zu reinigen, Schäden zu inspizieren und – wenn auch selten – einfach nach draußen zu treten. Der Außenumgang ist das ikonische Element des Leuchtturm-Erscheinungsbildes: die Linie, wo der Turm sich von der runden Struktur zum verglasten Kopf weitet.
In Sturmsituationen war der Außenumgang ein gefährlicher Ort. Berichte von Leuchtturmwärtern überliefern Geschichten von Männern, die sich bei Orkanböen an das Eisengeländer krampften, um nicht weggeblasen zu werden. Der Minots Ledge Lighthouse südlich von Boston, 1850 errichtet und nach weniger als einem Jahr im April 1851 durch einen Sturm zerstört (zwei Wärter kamen ums Leben), hatte einen Außenumgang, der bei schwerer See unter Wellen begraben wurde.
Erhalten und erleben
Viele Leuchttürme, die heute für Besucher geöffnet sind, ermöglichen den Aufstieg. Der Cape Hatteras Lighthouse in North Carolina, der Pharos von Alexandria in Ägypten ist es nicht, aber der Roter Sand Leuchtturm in der Außenweser lädt seit seiner Restaurierung als 'Lighthouse Hotel' zu Übernachtungen in historischen Wohnquartieren ein. Wer die Architektur des Leuchtturminnenraums hautnah erleben möchte, findet auf Karte öffnen eine Übersicht über Leuchttürme weltweit – viele davon mit Angaben zu Besuchsmöglichkeiten und Öffnungszeiten.