Der Niedergang des Feuerschiffs
Der Gedanke hinter dem Feuerschiff
Es gibt Stellen im Meer, an denen kein Fundament möglich ist. Keine Klippe, kein Fels, kein flacher Strand: nur Wasser von zwanzig, dreißig, fünfzig Metern Tiefe, mit einem sandigen oder schlickigen Grund, der keine Pfahlgründung trägt. Und dennoch liegt an diesen Stellen eine Gefahr: eine Sandbank, ein besonders gefährlicher Punkt einer Schifffahrtsroute, ein Einlauf in eine Flussmündung. Die Lösung war das Feuerschiff – ein schwimmendes Leuchtfeuer, verankert auf der Gefahrenstelle, dessen Licht den Schiffen in der Dunkelheit die Warnung gab.
Das erste dokumentierte englische Feuerschiff wurde 1731 auf der Nore, einer Sandbank in der Themsemündung östlich von Sheerness, stationiert. Es war ein simples Fischerboot mit einer Laterne am Mast, von einem privaten Konzessionär betrieben, der Abgaben von vorbeifahrenden Schiffen erhob. Das Konzept war so offensichtlich sinnvoll, dass es sich rasch verbreitete: Bis Ende des 18. Jahrhunderts lagen Dutzende von Feuerschiffen auf den gefährlichsten Stellen der englischen und schottischen Küste.
Die goldene Epoche der Feuerschiffe
Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit des Feuerschiffs. Technische Verbesserungen – stärkere Fresnel-Linsen, bessere Verankerungssysteme, stärkere Schiffsrümpfe – machten die Feuerschiffe zu zuverlässigeren Navigationshilfen als je zuvor. Trinity House entwickelte den Typ des englischen Feuerschiffs zu einem robusten, spezialisierten Fahrzeug mit einem charakteristischen roten Rumpf und dem Stationsname in weißen Lettern auf der Bordwand.
Besonders berühmt wurden die Feuerschiffe auf den äußersten Sandbänken der Nordsee und des Atlantiks. Das Goodwin Sands Lightvessel, auf den berüchtigten Goodwin Sands vor der Küste von Kent – einem Friedhof unzähliger Schiffe – war eines der gefährlichsten Stationsposten der britischen Feuerschifffahrt. Das Varne Lightvessel in der Straße von Dover markierte die Varne-Sandbank, auf der Dutzende von Schiffen gestrandet waren. Das Seven Stones Lightvessel, nordöstlich der Scilly-Inseln, sollte in der Geschichte noch eine tragische Bekanntheit erlangen: Es war das Seven Stones Feuerschiff, an dem der Supertanker Torrey Canyon 1967 vorbeifuhr – und kurz danach auf dem Seven Stones Reef strandete, in einer der schlimmsten Ölverschmutzungskatastrophen der europäischen Geschichte.
In den USA betrieb der Lighthouse Board ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein System von Feuerschiffen von der Ostküste bis zu den Großen Seen. Das Ambrose Lightvessel, stationiert am Eingang des New York Harbor, war eines der meistbeachteten amerikanischen Feuerschiffe. Es markierte den Ambrose Channel, die Haupteinfahrt für alle großen Ozeandampfer, die New York anliefen – von der Aquitania bis zur Queen Mary. Im frühen 20. Jahrhundert war das Ambrose Lightvessel so bekannt, dass Transatlantikpassagiere es als ihr erstes Zeichen Amerikas erwähnten.
Leben auf dem Feuerschiff
Das Leben an Bord eines stationierten Feuerschiffs war nichts für Klaustrophobiker oder Landratten. Die Feuerschiffe bewegten sich an ihrem Anker oft erheblich: Bei schwerem Seegang konnte die Rollbewegung so stark werden, dass Möbel nicht befestigt werden konnten und Essen nicht auf normalen Tellern serviert werden durfte – schwere Stahltöpfe mit Deckeln waren Standard. Schlafkojen wurden mit Holzrahmen gesichert, die den Insassen einheilten wie eine Kiste.
Die Besatzung eines britischen Feuerschiffs der viktorianischen Ära bestand typischerweise aus acht bis zwölf Männern, die in einem engen Schiff lebten und arbeiteten, das selten mehr als 40 bis 50 Meter lang war. Die Rotation erfolgte nach einem strengen System: vier Wochen an Bord, zwei Wochen an Land. Schlechtes Wetter konnte diese Rotation verzögern; es gab Berichte von Feuerschiff-Besatzungen, die sechs oder acht Wochen an Bord blieben, weil es zu stürmisch war, um das Tenderboot zu schicken.
Die Gefahren waren real. Ein Feuerschiff konnte von einem anderen Schiff gerammt werden – was mehrfach geschah, mit tödlichen Folgen. Das East Goodwin Lightvessel wurde 1954 von einem Dampfer gerammt und sank in wenigen Minuten; die Besatzung konnte sich retten. Das Nantucket Lightvessel wurde 1934 vom Ozeandampfer Olympic (dem Schwesterschiff der Titanic) gerammt und sank, wobei sieben von elf Besatzungsmitgliedern ums Leben kamen.
Die ersten Absetzbewegungen: Automatisierung und unmanned stations
Bereits in den 1940er und 1950er Jahren begannen einige Leuchtturmorganisationen, an den bequemer zugänglichen Stationen Leuchttonnen statt bemannter Feuerschiffe einzusetzen. Eine große, gefestigte Tonne mit einem leistungsstarken Leuchtfeuer, einem Schallsignal und einem Radar-Transponder (RACON) konnte viel von dem leisten, was ein Feuerschiff leistete – zu einem Bruchteil der Kosten.
Das US Coast Guard war ein früher Protagonist dieser Entwicklung. In den 1960er Jahren begann es systematisch, Feuerschiffe durch große automatisierte Tonnen zu ersetzen, die als 'large navigational buoys' (LNB) bezeichnet wurden. Das Ambrose Lightvessel wurde 1967 durch eine solche LNB ersetzt; die Boston Lightship und die Nantucket Lightship folgten in den frühen 1970er Jahren.
In Großbritannien verlief der Prozess langsamer. Trinity House bewahrte einige der bekanntesten Feuerschiffe über die Jahrtausendwende hinaus, oft aus politischen und öffentlichkeitswirksamen Gründen. Das South Goodwin Lightvessel war bis 2017 aktiv – eines der letzten britischen bemannten Feuerschiffe. Heute ist kein einziges britisches Feuerschiff mehr besetzt; alle Stationen werden von automatisierten Leuchttonnen oder – wo Fundamente möglich wurden – von Türmen übernommen.
Errettete Schiffe: das Feuerschiff als Museum
Das Ende des bemannten Feuerschiffs war auch der Beginn einer Museumsbewegung. Viele der historischen Schiffe wurden von gemeinnützigen Organisationen, Städten oder Häfen aufgekauft und restauriert. In den Niederlanden liegt das Lichtschip Texel, ein hölzernes Dampffeuerschiff von 1939, im Marinehafenmuseum von Den Helder. In Deutschland ist das Feuerschiff Elbe 3, gebaut 1888, im Museum der Arbeit in Hamburg ausgestellt – ein schwarzer Rumpf mit dem charakteristischen weißen Schriftzug, ein Relikt einer Epoche, die die deutsche Seefahrtsgeschichte geprägt hat.
Das bekannteste museale Feuerschiff Amerikas ist die Lightship Ambrose, heute Teil des South Street Seaport Museum in Manhattan. Die rote Ambrose liegt am historischen Pier 16, einen Steinwurf vom Finanzviertel, und erinnert an die Jahrzehnte, in denen sie am Eingang des New York Harbor die Welt empfing.
In Großbritannien bietet das Themse-Feuerschiff Nore im Medway, und die LV96 im Gloucester Docks, Besuchern die Möglichkeit, das enge Leben einer Feuerschiffbesatzung nachzuempfinden. Trinity House betreibt das Patricia, ein historisches Versorgungsschiff, noch heute als Depotschiff.
Das Erbe der Feuerschiffe
Die Feuerschiffe haben keine Leuchtfeuer mehr zu betreiben, aber ihre Standorte leben in den Namen moderner Tonnen fort. Die 'Goodwin' Tonne auf den Goodwin Sands, die 'Varne' auf der Varne Bank – die Karten verzeichnen die alten Stationsnamen, auch wenn die roten Schiffe längst verschwunden sind. Auf Karte öffnen sind viele dieser historischen Stationen noch markiert, ein stilles Echo der bemannten Feuerschiffe, die einst an diesen Stellen schaukelten und den Schiffen das Leben retteten.