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Top 10 Leuchttürme in der Bretagne

Die Bretagne ist das Leuchtturmland Europas schlechthin. Kein anderer Küstenabschnitt des Kontinents vereint auf so engem Raum so viele berühmte, gefährliche und technisch außergewöhnliche Leuchttürme. Die Ursache liegt in der Geografie: Die äußere Bretagne streckt sich mit zerklüfteten Halbinseln, sturmerprobten Felsenriffen und heimtückischen Untiefen weit in den Atlantik hinein. Iroise, das Meeresgebiet vor der Finistère-Küste, ist eines der gefährlichsten der Welt – der Zusammenfluss atlantischer Dünung, tiderreicher Strömungen und häufiger Nebel macht es zu einem Prüfstand für Leuchttürme aller Kategorien. Hier stehen die mythischsten Leuchttürme Frankreichs: auf nackten Felsen, auf kleinen Inseln und auf dem Gipfel halb versunkener Riffe.

1. Phare de la Jument, Ouessant

Der Phare de la Jument ist das Symbol der bretonischen Leuchtturmfotografie – berühmt durch Jean Guichards Fotografie aus dem Jahr 1989, die den Wärter Théodore Malgorn in der geöffneten Tür zeigt, während eine mächtige Atlantikwoge den Turm fast verschluckt. Er wurde zwischen 1904 und 1911 auf einem Felsriff südlich von Ouessant gebaut, ein Projekt, das durch das Erbe eines Schiffbruchopfers finanziert wurde. Der rote Turm ist 47 Meter hoch, trägt ein rotes und weißes Sektorfeuer und markiert die tückischen Riffe der Jument. Er ist ein aktiver, unbemannter Helikopter-geserviceter Leuchtturm. Besuche sind von Ouessant aus per Schiff möglich, Anlegen am Turm jedoch nicht erlaubt.

2. Phare du Créac'h, Ouessant

Der Créac'h auf der Westspitze von Ouessant ist einer der stärksten Leuchttürme der Welt und der meistfrequentierte maritime Wegpunkt Europas – jährlich passieren rund 50.000 Schiffe den Iroise auf dem Weg zwischen Ärmelkanal und Atlantik. Der schwarz-weiße Turm wurde 1863 errichtet und ist 55 Meter hoch; das Feuer liegt 70 Meter über dem Meeresspiegel. Das Gruppenblinkfeuer – vier Blitze alle 15 Sekunden – trägt 34 Seemeilen weit. Am Fuß des Turms befindet sich das Musée des Phares et Balises, das beste Leuchtturmmuseum Frankreichs. Ouessant ist per Fähre von Brest oder Le Conquet erreichbar.

3. Ar-Men, Chaussée de Sein

Ar-Men ist der härteste der bretonischen Wellenbrecher-Leuchttürme – von den Leuchtturmwärtern schlicht 'l'enfer' (die Hölle) genannt. Er steht auf einem nackten Felsblock an der Westspitze der Chaussée de Sein, einer untergetauchten Felsenreihe, die bis zu 22 Kilometer nach Westen reicht. Der Bau begann 1867 und dauerte 14 Jahre, da die Wellen eine Arbeit von oft nur wenigen Stunden pro Monat erlaubten. Der graue Granitturm ist 33 Meter hoch und trägt ein weißes Blinkfeuer mit 23 Seemeilen Reichweite. Seit 1990 vollständig automatisiert. Nur aus der Distanz vom Festland oder von Île de Sein aus zu sehen.

4. Phare d'Eckmühl, Penmarc'h

Der Phare d'Eckmühl an der Pointe de Penmarc'h ist mit 65 Metern das zweithöchste aktive Leuchtfeuer der Bretagne. Er wurde 1897 auf Initiative und Kosten der Tochter des Marschalls Davout, Prince d'Eckmühl, erbaut – ein Monument ihrer Großzügigkeit, das auch als Stiftung in die Leuchtturmgeschichte einging. Der weiße Granittturm mit einer Kuppel aus grünem Kupfer trägt ein weißes Blinkfeuer mit 23 Seemeilen Reichweite und markiert den felsigen Vorgebirge von Penmarc'h, einem der gefährlichsten Kaps Frankreichs. Der Turm ist im Sommer täglich geöffnet und besteigbar; die 307 Stufen enden in einer grandiosen Aussicht über die südliche Bretagne.

5. Phare du Four, bei Portsall

Der Phare du Four steht auf einem kleinen Felsriff im Passage du Four, jenem engen Kanal zwischen dem Festland und den Molène-Inseln, den kleine Küstenfahrer als geschützteren Weg durch das Iroise nutzen. Er wurde 1874 errichtet, ist 28 Meter hoch und trägt ein weißes Blinkfeuer mit 18 Seemeilen Reichweite. Der Kanal ist für seine starken Gezeiten und die Notwendigkeit exakter Navigationstiming bekannt. Der Turm ist von den Klippen bei Portsall aus gut sichtbar; Portsall ist seinerseits bekannt als der Ort, wo 1978 der Tanker Amoco Cadiz strandete.

6. Phare de Kéréon, Ouessant

Kéréon ist der prächtigste aller bretonischen Felsenleuchttürme. Er wurde zwischen 1907 und 1916 auf dem Riff Men-Tensel zwischen Ouessant und Molène gebaut und gilt als der 'Palast' der Atlantikleuchttürme – sein Innenraum ist mit Mahagoni, Messing und polierten Böden ausgestattet, ein Geschenk von Erben eines bretonischen Adelsgeschlechts. Der graue Turm ist 41 Meter hoch und trägt ein weißes und rotes Sektorfeuer mit 17 Seemeilen Reichweite. Vollautomatisch seit 2004. Besuche sind per Hubschraubercharter aus Brest möglich – ein außergewöhnliches Erlebnis für Kenner.

7. Phare de Tévennec, Raz de Sein

Der Phare de Tévennec steht auf einer kleinen Felseninsel in der Raz de Sein, einem Gezeitenkanal zwischen der Halbinsel Sizun und der Île de Sein, der für seine Strömungen und Strudel gefürchtet ist. Er wurde 1875 errichtet, ist 26 Meter hoch und trägt ein weißes Blinkfeuer mit 16 Seemeilen. Die Isolation des Standorts war so extrem, dass Wärter dort psychisch scheiterten; ein Priester wurde zum Wärter ernannt, um dem Übernatürlichen standzuhalten, das man dem Ort nachsagte. Heute ist der Turm automatisiert und Teil eines UNESCO-Welterbeprojekts. Von der Pointe du Raz aus sichtbar.

8. Phare du Stiff, Ouessant

Der Phare du Stiff auf dem höchsten Punkt von Ouessant ist ungewöhnlich: Er wurde 1695 von dem Militäringenieur Vauban als Doppelturm entworfen – zwei parallele Türme, die auf einem Wohngebäude stehen. Er ist damit einer der ältesten noch aktiven Leuchttürme Frankreichs. Die Höhe beträgt 33 Meter, aber das Feuer liegt 85 Meter über dem Meeresspiegel. Das Blinkfeuer trägt 24 Seemeilen. Der Turm ist das erste Bauwerk, das eingehende Schiffe auf Ouessant sehen, und steht nahe der Fähranlegestelle.

9. Phare des Baleines, Île de Ré

Auf der atlantischen Seite der Île de Ré, gegenüber der Küste Charente-Maritimes, steht der Phare des Baleines – 'Leuchtturm der Wale', benannt nach den Buckelwalen, die früher diese Gewässer bevölkerten. Er wurde 1854 errichtet, ist 57 Meter hoch und trägt ein weißes Blinkfeuer mit 24 Seemeilen Reichweite. Der Turm ist einer der meistbesuchten Leuchttürme Frankreichs und im Sommer täglich geöffnet; ein Museum im Sockelgebäude zeigt historische Optiken.

10. Phare de la Vieille, Raz de Sein

Der Phare de la Vieille ('die Alte') steht auf einem Felsen mitten in der Raz de Sein und wurde 1887 fertiggestellt. Der graue Turm von 27 Metern trägt ein weißes und rotes Sektorfeuer mit 18 Seemeilen Reichweite und bewacht eine der sturmreichsten Meerespassagen Europas. Er ist von der Pointe du Raz aus zu sehen und eines der charakteristischsten Bilder der bretonischen Atlantikküste.

Für Besuche bretonischer Leuchttürme bieten sich die Monate Mai bis September an; Fähren nach Ouessant und Île de Sein fahren regelmäßig ab Brest, Audierne und Le Conquet. Die besonders abgelegenen Felsenleuchttürme – Ar-Men, Kéréon, la Jument – sind nur per Hubschrauber oder privater Schiffsfahrt zugänglich, was einen Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Öffnen Sie die Karte, um alle bretonischen Leuchtturmstandorte zu entdecken.