Die 10 bemerkenswertesten Leuchttürme im Libanon
Die libanesische Küste ist nicht lang — kaum 225 Kilometer —, aber sie ist eine der ältesten beseegelten Küsten des Mittelmeers. Die Phönizier, deren Heimatland dieses Gebiet war, haben den Seehandel des antiken Mittelmeers begründet; ihre Städte Tyros, Sidon, Byblos und Beryt wurden zu Modellen städtischer Hafenkultur. Moderne Leuchttürme entstanden hier unter osmanischer Herrschaft im späten 19. Jahrhundert und wurden während des französischen Mandats (1920–1943) ergänzt und modernisiert. Seither hat der Libanon durch Kriege, Bürgerkonflikt und wirtschaftlichen Verfall einen schweren Weg hinter sich; viele der Leuchttürme sind in einem bedenklichen Zustand, einige wurden beschädigt oder vernachlässigt. Doch sie stehen noch — als stille Zeugen einer Küste, die Seefahrer seit dreitausend Jahren anlaufen.
1. Leuchtturm Beirut (Manara), Beirut
Der Manara-Leuchtturm steht auf dem Felsensporn von Ras Beirut, der die Halbinsel bildet, auf der Westbeirut liegt. Der weiße zylindrische Turm wurde 1863 unter osmanischer Verwaltung errichtet und ist 17 Meter hoch. Sein weißes Blitzlicht reicht 16 Seemeilen und markiert die Einfahrt in den Hafen von Beirut sowie die felsige Küste der Halbinsel. Manara bedeutet im Arabischen 'Leuchtturm'; das Viertel um den Turm trägt seinen Namen. Beirut litt schwer unter den Explosionen im August 2020, die den Hafen zerstörten; der Leuchtturm überstand die Katastrophe, doch das Hafengebäude und die umliegende Infrastruktur wurden verwüstet. Der Turm steht auf einem Küstenfelsplateau, das von der Corniche aus erreichbar und öffentlich zugänglich ist.
2. Leuchtturm Ras Beirut, Beirut
Ras Beirut, auf der Nordseite der Halbinsel gegenüber dem Manara-Turm, ist ein weiteres historisches Leuchtfeuer am Rand des alten amerikanischen Universitätscampus. Die genaue Datierung des heutigen Gebäudes ist schwierig; Quellen legen eine französische Mandatszeit-Anlage nahe. Der kleine weiße Turm zeigt ein weißes Blinkfeuer und ist von der Corniche aus sichtbar. Die beiden Türme auf Ras Beirut — Manara und Ras Beirut — markierten gemeinsam die Ansteuerung an die libanesische Hauptstadt und unterschieden sich in ihrem Sektormuster. Das Gelände der Amerikanischen Universität, auf dem das Feuer steht, ist für Besucher zugänglich; der Turm selbst ist nicht begehbar.
3. Leuchtturm Enfeh, Enfeh
Das Dorf Enfeh liegt auf einer kleinen felsigen Halbinsel nördlich von Tripolis und war in der Kreuzfahrerzeit als Nephin bekannt. Der Leuchtturm von Enfeh, ein weißer Turm aus dem späten 19. Jahrhundert, steht auf dem westlichsten Punkt der Halbinsel und markiert das Kap sowie die Untiefe, die sich südlich davon ins Meer erstreckt. Er zeigt ein weißes Blinkfeuer mit einer Reichweite von etwa 12 Seemeilen. Enfeh ist heute ein kleines Fischerdorf, bekannt für seine frischen Meeresfrüchte und die schönen Felsenbuchten. Der Leuchtturm ist von der Küstenstraße aus erreichbar und kann von außen besichtigt werden.
4. Leuchtturm Tripolis, Tripolis
Tripolis (auf Arabisch Trablus) ist die zweitgrößte Stadt des Libanons und besitzt einen kleinen Hafen, der bereits in römischer Zeit als Oea bekannt war. Der Leuchtturm an der Hafeneinfahrt, ein weißer Kolonialturm, wurde unter osmanischer Herrschaft errichtet und während des französischen Mandats modernisiert. Er ist etwa 15 Meter hoch und zeigt ein weißes und rotes Sektorlicht, das den engen Fahrweg zwischen den Wellenbrecher-Armen des Hafens anzeigt. Tripolis hat eine der besterhaltenen mamlukischen Altstädte des Nahen Ostens; das Hafenviertel mit dem Leuchtturm liegt wenige Minuten zu Fuß von den historischen Suqs entfernt.
5. Leuchtturm Byblos, Jbeil
Byblos — das moderne Jbeil — ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und Ursprung des Wortes 'Bibel' (über griechisch Byblos, da hier Papyrus gehandelt wurde). Der Leuchtturm steht am Rand des mittelalterlichen Kreuzfahrerhafens, direkt neben der Burganlage. Die heutige Anlage, ein schlanker weißer Turm, datiert auf die osmanische Zeit, aber ein Leuchtfeuer stand hier wohl seit Jahrhunderten. Er zeigt ein weißes Blitzlicht. Byblos ist einer der beliebtesten Touristenstopps im Libanon; der Hafen mit dem Leuchtturm ist fußläufig von den archäologischen Ausgrabungen erreichbar und ein schöner Abend-Aussichtspunkt.
6. Leuchtturm Sidon, Saïda
Sidon ist eines der ältesten phönizischen Stadtzentren und heute die drittgrößte Stadt des Libanons. Der Leuchtturm steht an der Einfahrt zum alten Fischerhafen, unmittelbar neben der Kreuzfahrersee-Burg auf ihrer kleinen Felseninsel. Der Turm ist eine osmanische Anlage aus dem späten 19. Jahrhundert, weiß gestrichen, etwa 14 Meter hoch. Er zeigt ein weißes Blinkfeuer und ist noch aktiv. Die Kombination aus Kreuzfahrerburg, Fischerhafen und Leuchtturm macht Sidon zu einem der fotogenischsten Küstenpunkte des Libanons. Sidon ist per Servis-Taxi in etwa einer Stunde von Beirut erreichbar.
7. Leuchtturm Tyros, Sur
Tyros (heute Sur) war die mächtigste der phönizischen Städte und stand bis zu seiner Einnahme durch Alexander den Großen 332 v. Chr. auf einer Insel — Alexander ließ einen Damm aufschütten, der die Stadt mit dem Festland verband und die Grundlage für die heutige Halbinsel bildete. Der Leuchtturm am Hafen von Sur ist eine moderne Anlage aus dem 20. Jahrhundert; er markiert die Einfahrt in den Fischerhafen und zeigt ein weißes Blitzlicht. Die archäologische Stätte von Tyros ist UNESCO-Weltkulturerbe, und ein Besuch der Stadt ermöglicht es, die antike Städtestruktur mit der modernen Hafenanlage zu verbinden. Sur liegt im Südlibanon und ist von Beirut per Servis-Taxi in etwa zwei Stunden erreichbar.
8. Leuchtturm Naqoura, Naqoura
Naqoura liegt an der südlichsten Ecke des Libanons, unmittelbar an der israelischen Grenze, und ist Hauptquartier der UNIFIL-Friedenstruppen. Ein kleines Leuchtfeuer markiert das Kap Naqoura, wo die libanesische Küste nach Norden einbiegt und Israel beginnt. Der Turm ist eine moderne Anlage; navigatorisch markiert er den Übergang zweier Küstenlinien, politisch steht er am Brennpunkt eines der langwierigsten Grenzkonflikte des Nahen Ostens. Das Gebiet ist für Zivilisten eingeschränkt zugänglich.
9. Leuchtturm Chekka, Chekka
Chekka liegt nördlich von Byblos und ist vor allem als Standort eines Zementwerks bekannt, das einen der einzigen natürlichen tiefwassergeeigneten Küstenvorsprünge des nördlichen Libanons nutzt. Ein kleines Leuchtfeuer an der Hafenanlage des Zementwerks markiert die Einfahrt für Massengutschiffe. Die Anlage ist modern und industriell; touristisch ist Chekka wenig erschlossen, aber der Abschnitt der Bahnstrecke, die bis in die 1990er Jahre Beirut und Tripolis verband, ist unweit des Ortes noch als Ruine sichtbar.
10. Leuchtturm Batroun, Batroun
Batroun, eine der ältesten Städte Phöniziens, besitzt eine der eindrucksvollsten Küstenstrukturen der Levante: eine phönizische Mauer aus dem 2. Jahrtausend v. Chr., die noch weitgehend erhalten ist und einen natürlichen Hafen schützt. Ein kleines Leuchtfeuer markiert die Einfahrt in diesen Hafen und die Stellen, an denen das Felsenriff nahe an die Oberfläche kommt. Die Anlage ist bescheiden, aber die historische Umgebung ist einzigartig. Batroun ist heute für seine Craft-Brauerei Al Malt bekannt und ein beliebtes Wochenendziel aus Beirut; der Hafen und die phönizische Mauer sind zu Fuß zu erreichen.
Praktische Hinweise
Der Libanon ist trotz seiner Schwierigkeiten ein gastfreundliches Reiseziel; die beste Reisezeit ist Frühling (April bis Juni) und Herbst (September bis Oktober). Beirut, Byblos, Sidon und Tyros sind die touristisch am besten erschlossenen Küstenstädte. Sicherheitslagen im Südlibanon sollten vor der Reise geprüft werden. Die Leuchttürme des Libanons sind auf Karte öffnen eingetragen.