Die 10 bemerkenswertesten Leuchttürme an der deutschen Nordseeküste
Die deutsche Nordseeküste ist eine der komplexesten Seefahrtslandschaften Europas. Das Wattenmeer – das größte zusammenhängende Gezeitenflachwasser der Erde – erstreckt sich von der Elbmündung bis zur holländischen Grenze und bietet für große Schiffe kaum natürliche Durchfahrten. Dazu kommen die Außenelbe, die Jade, die Weser und der Emsstrom, deren Fahrwasser sich ständig durch Sedimentation verändern. Feuer und Leuchttürme gibt es hier seit dem Mittelalter; die heutige systematische Befeuerung geht auf die preußischen und hanseatischen Behörden des 19. Jahrhunderts zurück und wird heute von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) koordiniert. Nirgendwo in Deutschland sind die Leuchttürme so eng mit der Landschaft verwoben wie an der Nordseeküste – auf Salzwiesen, Dünensanden und auf dem blanken Wattenmeer.
1. Leuchtturm Roter Sand, Außenweser
Der Roter Sand ist der berühmteste Hochseeleuchtturm Deutschlands und ein Denkmal des ingenieurstechnischen Muts. Er steht auf einer Sandbank in der Außenweser, 59 Kilometer nördlich von Bremerhaven, auf einem Schraubpfahlfundament im Schlick. Gebaut zwischen 1879 und 1885 nach Plänen des Ingenieurs Johann Nehls, war er der erste Hochseeleuchtturm Deutschlands, der auf offenem Meer errichtet wurde. Der gusseiserne Turm ist 30 Meter hoch und rot gestrichen; die Feuerhöhe beträgt 33 Meter über dem Meer. Nach der Automatisierung 1986 und der Außerdienststellung 2003 wurde er restauriert und als maritimes Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sommerliche Ausflugsboote von Bremerhaven bringen Besucher zum Turm.
2. Leuchtturm Westerheversand, Nordfriesland
Der Leuchtturm Westerheversand auf dem gleichnamigen Kap der Halbinsel Eiderstedt ist eines der bekanntesten Leuchttürme Deutschlands und ein Bilderbuchmotiv der Nordseeküste. Der gusseiserne rot-weiß gestreifte Turm wurde 1906 errichtet und ist 41 Meter hoch; die Feuerhöhe beträgt 41 Meter über dem Meer. Das Feuer Fl W 3s ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Die Wärterhäuser, umgeben von offenem Deichgelände und Salzwiesen, sind heute Ferienwohnungen. Der Turm ist täglich zugänglich; er steht im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Im Mai versinken die Salzwiesen in leuchtendem Lila, wenn der Strandaster blüht.
3. Leuchtturm Pilsum, Ostfriesland
Der Leuchtturm Pilsum bei Greetsiel ist einer der markantesten an der ostfriesischen Küste. Der orangerot gestrichene Turm mit gelbem Ring wurde 1891 errichtet und ist 18 Meter hoch. Er wurde überregional bekannt, als er als Filmkulisse für die Komödie 'Otto – Der Außerfriesische' (1989) diente. Das Feuer Fl(3) R 10s markiert das Fahrwasser im Leybucht-Bereich. Der Turm steht direkt am Deichfuß des Pilsumer Leuchtturm-Pfades; von der Turmspitze überblickt man die Emsmündung, die ostfriesischen Inseln und bei klarer Sicht die niederländische Küste.
4. Alte Liebe, Cuxhaven
Die Alte Liebe ist kein klassischer Leuchtturm, sondern eine historische Mole mit Feuersäule an der Elbmündung in Cuxhaven – eines der ältesten und bekanntesten Seezeichen Norddeutschlands. Das heutige Holzbauwerk aus dem 19. Jahrhundert ist der letzte Vertreter einer Reihe von Molenanlagen, die seit dem Mittelalter an dieser Stelle standen. Das Feuer dient der Einsteuerung in den Hamburger Hafen-Zugang. Die Anlage ist öffentlich zugänglich und ein beliebter Aussichtspunkt, von dem aus Container- und Kreuzfahrtschiffe auf der Elbe beobachtet werden können.
5. Leuchtturm Wangerooge, Wattenmeer
Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge stehen gleich zwei historische Türme: der Alte Leuchtturm (1835, heute Kulturzentrum und Aussichtsturm) und der Neue Leuchtturm (1969). Der Alte Turm aus Backstein ist 55 Meter hoch und war bis zur Außerdienststellung 1969 der höchste Leuchtturm der ostfriesischen Inseln. Heute ist er ein beliebtes Ausflugsziel im Wattenmeer-Nationalpark; Wangerooge ist autofrei und mit der Bahn und Fähre von Harlesiel erreichbar. Der Neue Leuchtturm übernimmt mit seinem Feuer Fl(3+1) W 15s die Befeuerungsaufgaben.
6. Großer Leuchtturm Borkum
Der Großer Leuchtturm Borkum auf der westlichsten ostfriesischen Insel ist ein Monument der Backstein-Ingenieurkunst. Der achteckige Turm wurde 1879 erbaut und ist 60 Meter hoch; damit ist er der höchste Leuchtturm der ostfriesischen Inseln. Das Feuer Fl(3) W 12s ist auf 27 Seemeilen sichtbar und markiert die Einfahrt in die Emsmündung sowie die Grenze zu niederländischen Gewässern. Der Turm ist von Mai bis Oktober täglich besteigbar; die 317 Stufen führen zu einem weiten Panorama über die Nordsee und die niederländische Küste. Borkum ist per Fähre von Emden erreichbar.
7. Leuchtturm Oberfeuer Harriersand
Der Leuchtturm Harriersand am Weserufer bei Brake ist ein typisches Beispiel eines Richtfeuers: Er bildet zusammen mit einem Unterfeuer eine Linie, die Schiffen das sichere Fahrwasser der Weser anzeigt. Der weiße Stahlturm wurde 1950 errichtet und ist 47 Meter hoch. Das rote Richtfeuer ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Harriersand ist Deutschlands größte Flussinsel; der Turm steht auf dem Westufer des Inseldeiches und ist per Fähre von Brake oder zu Fuß über die Flussinsel erreichbar – ein Ausflugsziel mit maritimem Flair.
8. Leuchtturm Holnis, Flensburger Förde
Der Leuchtturm Holnis auf der gleichnamigen Halbinsel bei Glücksburg in der Flensburger Förde ist der östlichste Leuchtturm Schleswig-Holsteins. Der weiße quadratische Turm wurde 1870 errichtet und ist 18 Meter hoch; das Feuer Iso R 4s markiert das Fahrwasser in der Förde und warnt vor den Untiefen nördlich von Holnis. Die Halbinsel ist ein Naturschutzgebiet; Gänse, Austernfischer und Meeresenten rasten hier auf dem Zug. Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich; ein Küstenweg bietet freie Sicht vom Kliff.
9. Leuchtturm Kampen (Rotes Kliff), Sylt
Der Leuchtturm Kampen auf der höchsten Sandkuppe Sylts ist eines der Wahrzeichen der Insel. Er wurde 1856 errichtet und in rotem Backstein ausgeführt; der zylindrische Turm ist 18 Meter hoch. Das Feuer Fl(2+1) W 15s ist auf 21 Seemeilen sichtbar und markiert die Einfahrt zwischen den Nordseeinseln Sylt und Föhr. Der Turm steht am Roten Kliff, den spektakulären Prallhang aus leuchtend rotem Sand und Morängut; die Küste erodiert hier sichtbar. Sylt ist per Autozug von Niebüll und per Fähre von Havneby (Dänemark) erreichbar; der Turm ist in der Saison geöffnet.
10. Leuchtfeuer Fedderwardersiel, Butjadingen
Das Leuchtfeuer Fedderwardersiel an der Außenjade ist ein kleines, aber charakteristisches Seezeichen an der niedersächsischen Wattküste. Der weiße Turm aus den 1950er Jahren ist 17 Meter hoch und markiert das Fahrwasser in das Hafen Fedderwardersiel und das Jade-Ästuar. Das Dorf Fedderwardersiel ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wattwanderungen und Ausflugsfahrten im Nationalpark; die Kombination aus Leuchtturm, Hafen und Krabbenfischerei macht es zu einem typischen norddeutschen Küstenbild.
Die Leuchttürme der deutschen Nordseeküste liegen entlang des Nationalpark Wattenmeer, der seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe ist. Viele Türme sind Teil eines gut ausgebauten Tourismusnetzwerks mit Rad- und Wanderwegen; die meisten ostfriesischen Inseln sind autofrei. Die beste Reisezeit für Leuchtturmtouren ist der Frühling und Frühherbst, wenn das Watt atmet und die Zugvögel rasten. Karte öffnen, um alle deutschen Nordseeküsten-Leuchttürme interaktiv zu erkunden.