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Die 10 bemerkenswertesten Leuchttürme in der Ostsee

Die Ostsee ist eines der meistbefahrenen Binnenmeere der Welt. Von der Kieler Förde bis zum Finnischen Meerbusen, von den dänischen Belten bis zu den estnischen Inseln durchzieht ein engmaschiges Netz von Schifffahrtsrouten ein flaches, durch Inselgruppen und Untiefen zerstückeltes Gewässer. Im Winter bilden sich im Bottnischen Meerbusen und vor der estnischen Küste ausgedehnte Eisfelder; im Sommer rollen dichte Nebelbänke über die Kattegat-Einfahrten. Diese schwierigen Bedingungen machten eine intensive Befeuerung unumgänglich. Die Leuchttürme der Ostsee sind das Gemeinschaftswerk von Schweden, Finnland, Russland, Deutschland, Dänemark, Polen und den baltischen Staaten – ein stiller Beweis für die maritime Interdependenz einer ganzen Region. Viele der bedeutendsten Türme stehen auf abgelegenen Inseln und konnten historisch nur unter größten Schwierigkeiten errichtet und versorgt werden.

1. Bengtskär Lighthouse, Finnland

Bengtskär steht auf einem Granitfels im äußeren Schärengürtel südwestlich von Hanko und ist der höchste Leuchtturm Finnlands und Skandinaviens. Der wächtergraue Graniturm wurde zwischen 1905 und 1906 errichtet und ist 52 Meter hoch. Das Feuer Fl(3) W 20s ist auf 30 Seemeilen sichtbar und markiert die Hauptschifffahrtsroute zwischen Helsinki und Stockholm. Im August 1941 war Bengtskär Schauplatz eines erbitterten Gefechts zwischen sowjetischen Landungstruppen und finnisch-deutschen Verteidigern. Heute ist der Turm ein bekanntes Ziel für Bootsausflüge von Hanko; ein kleines Museum und ein Café im historischen Wärtergebäude sind in der Saison geöffnet.

2. Kõpu Lighthouse, Hiiumaa (Estland)

Der Kõpu Leuchtturm auf der estnischen Insel Hiiumaa ist einer der ältesten noch aktiven Leuchttürme der Welt. Er wurde 1531 auf Betreiben der Livländischen Kaufleute errichtet, um die Einfahrt in den Finnischen Meerbusen zu markieren. Der wuchtige quadratische Kalksteinturm ist 36 Meter hoch; das Feuer Fl(3) W 30s ist auf 26 Seemeilen sichtbar. Über 490 Jahre hat der Turm – von der Hansezeit über die Schwedenherrschaft, das Russische Reich und Sowjetzeiten bis zur estnischen Republik – unermüdlich gebrannt. Der Turm ist täglich zugänglich; die 178 Stufen auf einem steilen Spiralanstieg führen zu einem Panorama über die Hiiumaa-Wälder und die westliche Ostsee.

3. Långe Jan, Öland (Schweden)

Am Südkap der schwedischen Kalksteinsel Öland ragt Långe Jan 42 Meter in die Höhe. Er wurde 1785 errichtet und ist der höchste Leuchtturm Schwedens. Das Feuer Fl(4) W 30s ist auf 27 Seemeilen sichtbar und markiert die Einfahrt zwischen Festlandsküste und Öland sowie die Sandbank von Ottenby. Die Südspitze Ölands liegt auf dem Zugweg von Millionen von Vögeln im Frühjahr und Herbst; das Vogelzugobservatorium Ottenby ist weltbekannt. Öland ist über die Ölandbrücke mit dem Festland verbunden; der Turm ist im Sommer täglich geöffnet.

4. Dueodde Lighthouse, Bornholm (Dänemark)

Der Leuchtturm Dueodde steht an der Südspitze der dänischen Granit-Insel Bornholm, die inmitten der Ostsee liegt. Er wurde 1900 errichtet und ist mit 47 Metern der höchste Leuchtturm Dänemarks. Das Feuer Fl(3) W 20s ist auf 27 Seemeilen sichtbar. Die Lage auf dem Sanddünen-Streifen im Süden Bornholms – Kiefernwälder, weißer Sand, klares Wasser – macht die Umgebung zu einer der anmutigsten Küstenlandschaften der westlichen Ostsee. Im Sommer fährt eine Fähre von Ystad (Schweden) direkt nach Rønne; Bornholm ist ein lohnendes Ziel für einen Mehrtagesstopp.

5. Hel Lighthouse, Hel (Polen)

Der Leuchtturm in Hel am Ende der gleichnamigen langen Landzunge, die wie ein Finger in die Danziger Bucht zeigt, ist ein markantes Wahrzeichen der polnischen Ostseeküste. Der heutige Backsteinturm wurde 1942 errichtet und ist 41 Meter hoch; das Feuer Fl(2) W 12s ist auf 16 Seemeilen sichtbar. Hel war 1939 eines der letzten Gebiete, die sich der deutschen Invasion widersetzten; der Leuchtturm selbst stand unter Artilleriebeschuss. Heute ist die Halbinsel ein beliebtes Urlaubsziel; der Turm ist als Museum und Aussichtsplattform täglich zugänglich.

6. Kjeungskjær Lighthouse, Ørland (Norwegen / Nordsee-Übergang)

Kjeungskjær liegt auf einem nackten Fels in der norwegischen Trondheims-Einfahrt und gehört geographisch zum Übergang zwischen dem Nordmeer und dem Skagerrak, dem nordöstlichen Zugang zur Ostsee. Der rote gusseiserne Turm wurde 1880 nach schottischem Vorbild errichtet und ist 17 Meter hoch. Das Feuer Fl(2) W 8s ist auf 19 Seemeilen sichtbar. Kjeungskjær wurde 2007 als historisches Denkmal klassifiziert und ist heute ein Ferienhaus; Gäste können im Wärterhaus übernachten – eine außergewöhnliche Erfahrung auf einem Fels im offenen Meer.

7. Tahkuna Lighthouse, Hiiumaa (Estland)

Der Leuchtturm Tahkuna auf dem Nordkap Hiiumaas wurde 1875 errichtet und ist eine gusseiserne Konstruktion aus dem britischen Leuchtturmhersteller Glasgow. Der schlanke rote Turm ist 42,7 Meter hoch; das Feuer Fl(2) W 12s ist auf 20 Seemeilen sichtbar. Tahkuna ist historisch bedeutsam als Zeuge des Untergangs der Fähre Estonia 1994, die in der Nähe sank und 852 Menschen das Leben kostete. Eine Gedenkstele auf dem Kap erinnert an die Opfer. Der Turm ist täglich zugänglich und besteigbar.

8. Gotska Sandön Lighthouse, Gotland (Schweden)

Gotska Sandön ist eine menschenleere Sandinsel nördlich von Gotland, ein Nationalpark mit einem der einsamsten Leuchttürme der Ostsee. Der Turm wurde 1859 errichtet und ist 40 Meter hoch; das Feuer Fl W 5s ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Die Insel ist nur mit dem gelegentlichen Versorgungsschiff erreichbar; gelegentliche Ausflugsboote in der Saison nehmen eine begrenzte Zahl von Gästen mit. Das Naturschutzgebiet mit seinen Sanddünen und alten Kiefernwäldern ist einer der unberührtesten Orte in der Ostsee.

9. Sõrve Lighthouse, Saaremaa (Estland)

Am südlichsten Kap der estnischen Insel Saaremaa steht der Leuchtturm Sõrve, ein schlanker weißer Turm von 52 Metern. Er wurde 1960 errichtet, nachdem sein Vorgänger im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das Feuer Fl W 6s ist auf 26 Seemeilen sichtbar. Das Kap Sõrve war im Herbst 1944 Schauplatz einer der letzten großen Schlachten an der Ostfront; Bunkeranlagen und Mahnmale bezeugen die Geschichte. Der Turm ist besteigbar; das Kap ist von der Stadt Kuressaare auf Saaremaa per Mietwagen in etwa einer Stunde erreichbar.

10. Gedser Odde Lighthouse, Gedser (Dänemark)

Der Leuchtturm am Kap Gedser ist das südlichste Seezeichen Dänemarks und markiert den Übergang zwischen der westlichen Ostsee und dem Fehmarnbelt. Der weiße Betonturm von 1937 ist 20 Meter hoch; das Feuer Fl W 5s ist auf 14 Seemeilen sichtbar. Gedser liegt am Ende der Falster-Halbinsel und ist Endpunkt der Fährstrecke Rostock–Gedser, einer der meistbefahrenen Fährrouten zwischen Deutschland und Skandinavien. Der Leuchtturm steht direkt am Strand und ist jederzeit von außen zu besichtigen.


Die Leuchttürme der Ostsee verteilen sich auf sieben Länder und bieten eine einzigartige Möglichkeit, maritime Geschichte in ihrem geografischen Zusammenhang zu erleben. Viele der bedeutendsten Türme liegen auf Inseln, die mit Fähre oder Inlandsflug erreichbar sind. Die beste Reisezeit ist Juni bis September, wenn die Wasserwege eisfrei, die Tage lang und die Fähren im vollen Betrieb sind. Karte öffnen, um alle Ostseeleuchttürme auf der interaktiven Karte zu erkunden.