Die 10 bemerkenswertesten Leuchttürme im Mittelmeer
Das Mittelmeer ist die Wiege der europäischen Seefahrt. Auf seinen Gewässern befuhren die Phönizier, Griechen und Römer Handelsrouten, die Jahrtausende überdauert haben; hier entstand mit dem Pharos von Alexandria das erste Monument der Leuchtturmgeschichte. Das 'mare nostrum' ist trotz seiner milden Witterung keine einfache Seefahrtsstraße: Aufgelandete Küsten, Inselgruppen aus scharfem Kalkfels, wechselnde Lokalwinde wie Mistral, Tramontana und Scirocco sowie enge Meerengen zwischen Inseln und Festland forderten seit der Antike präzise Navigationszeichen. Die modernen Leuchttürme des Mittelmeers repräsentieren das Küstenschutzprogramm von mindestens acht Nationen – Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, die Türkei, Kroatien, Malta und Algerien – und vereinen Stilepochen von der napoleonischen Ära bis zum Funktionalismus des 20. Jahrhunderts.
1. Faro di Genova (La Lanterna), Genua
La Lanterna in Genua ist einer der ältesten Leuchttürme der Welt in kontinuierlichem Betrieb und das Wahrzeichen der Stadt. Die erste schriftliche Erwähnung eines Feuers auf dem Promontorio San Benigno datiert von 1128; der heutige zweistufige Turm wurde 1543 wiederaufgebaut und später modifiziert. Die Gesamthöhe beträgt 77 Meter, die Feuerhöhe 117 Meter über dem Meeresspiegel. Das Blinkfeuer Fl(4) W 20s ist auf 33 Seemeilen sichtbar – eines der weitreichendsten im westlichen Mittelmeer. La Lanterna ist täglich zugänglich; das anliegende Museumsgebäude zeigt Navigations- und Leuchtturmgeschichte. Der Aufstieg umfasst 172 Stufen auf zwei Rampen durch das ummauerte Genueser Verteidigungsgelände.
2. Faro de Formentor, Mallorca
Das Kap Formentor im Norden Mallorcas gilt als einer der schönsten Orte der Balearen. Der Leuchtturm wurde 1863 errichtet und ist 20 Meter hoch; die Standorthöhe von 210 Metern über dem Meer macht das Feuer Fl(4) W 20s auf 20 Seemeilen sichtbar. Er markiert das nordöstliche Kap Mallorcas und warnt vor den Felsen unterhalb des Küstenkliffs für Schiffe auf der Route Mallorca–Menorca. Die Zufahrtsstraße, die sich durch zerklüftete Kalksteinberge windet, ist eine der spektakulärsten der Mittelmeerküste. Im Sommer werden Privatautos zu Stoßzeiten von der Straße ausgesperrt; Linienbusse fahren aus Port de Pollença.
3. Phare du Planier, Marseille
Der Leuchtturm Planier steht auf einem nackten Felseiland 20 Kilometer südwestlich von Marseille und markiert die westliche Einfahrt in das Hafengebiet der zweitgrößten französischen Stadt. Der erste Turm entstand 1829; der heutige schlanke Betonturm wurde nach Kriegsschäden 1959 errichtet und ist 56 Meter hoch. Das Feuer Fl(3) W 20s ist auf 28 Seemeilen sichtbar. Planier ist ein wichtiges Orientierungsseezeichen für das dicht befahrene westliche Mittelmeer; täglich passieren Handelsschiffe, Fähren von Nordafrika und Kreuzfahrtschiffe. Der Fels ist nicht öffentlich zugänglich; Ausflugsboote von Marseille umfahren ihn gelegentlich.
4. Faro Akrotiri (Santorini), Griechenland
Der Leuchtturm auf der Halbinsel Akrotiri im Süden von Santorin steht auf 122 Meter hohem Vulkankliffen und gehört zu den malerischsten Leuchttürmen der Ägäis. Der weiße zylindrische Turm wurde 1892 von der griechischen Leuchtturmverwaltung errichtet und ist 9 Meter hoch. Das Feuer Fl(2) W 14s ist auf 24 Seemeilen sichtbar. Er markiert das südliche Ende der Inselkaldera, eines der gewaltigsten Vulkankrater der Erde, und dient als Orientierung für Schiffe in der südlichen Ägäis. Der Turm und das Kap sind zu Fuß vom Dorf Akrotiri zu erreichen; der Sonnenuntergang vom Kap ist ein bekanntes, wenn auch touristisch besetztes Erlebnis.
5. Faro della Vittoria, Triest
Der Leuchtturm der Vittoria auf dem Hügel Gretta nordöstlich von Triest ist sowohl ein aktiver Leuchtturm als auch ein Kriegsdenkmal. Er wurde 1927 als Siegesdenkmal des Ersten Weltkriegs errichtet; der weiße zylindrische Turm aus Karststein ist 68 Meter hoch. Das Feuer Fl W 5s ist auf 34 Seemeilen sichtbar und markiert die Einfahrt in den Golf von Triest, die nördlichste Bucht der Adria. Auf dem Sockel des Turms steht eine bronzene Siegesgöttin; das Denkmal ist von einer Promenade zugänglich. Triest mit seinen habsburgischen Prachtbauten und dem Borgo Teresiano bietet das ideale Stadtpanorama vom Aussichtspunkt des Leuchtturms.
6. Faro di Portofino, Ligurien
Portofino ist eines der bekanntesten Küstenstädtchen Italiens; sein Leuchtturm steht auf dem Kap Portofino, dem südlichen Abschluss der Halbinsel. Der Turm wurde 1870 erbaut und ist 19 Meter hoch; das Feuer Fl W 3s ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Er kennzeichnet das Kap für Schiffe auf der Riviera-Route. Das Kap ist Teil eines Meeresschutzgebiets; der Fußweg von Portofino zum Leuchtturm führt durch lichte Pinienwälder über dem Meer und gilt als einer der schönsten Küstenwege Liguriens. Der Turm ist von außen täglich zugänglich.
7. Punta Carena Lighthouse, Capri
Der Leuchtturm Punta Carena auf dem südwestlichen Kap von Capri wurde 1867 errichtet und ist 32 Meter hoch; die Feuerhöhe beträgt 73 Meter über dem Meeresspiegel. Das Feuer Fl(3) W 15s ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Er markiert das Südkap Capris für Schiffe auf der Tyrrhenischen See und ist ein Orientierungspunkt für Fähren zwischen Neapel und den äolischen Inseln. Das Kap Carena mit seiner Felsplattform und seinen Grotten ist ein beliebter Badeplatz der Insel; der Leuchtturm ist nicht besteigbar, aber das Areal unterhalb ist öffentlich.
8. Tourlitis Lighthouse, Andros (Griechenland)
Der Tourlitis Leuchtturm auf Andros ist einer der außergewöhnlichsten Griechenlands: Er steht auf einem Meeresfels, der nur mit einer Hängebrücke vom Kliff erreichbar ist. Das heutige Gebäude ist ein Neubau von 1994, errichtet nach dem Zerstörung des Originals (1897) durch einen Sturm im Jahr 1991. Der Turm ist 6 Meter hoch; das Feuer Fl W 3s dient der Ortsbefeuerung des Hafens von Chora. Tourlitis ist von Andros-Stadt zu Fuß erreichbar; die Brücke und der Fels dürfen betreten werden, der Turm ist jedoch nicht begehbar. Der Anblick vom Kliff gehört zu den bekanntesten Fotomotiven der Kykladen.
9. Cabo de Gata Lighthouse, Almería
Der Leuchtturm am Cabo de Gata in Spanien ist der östlichste Punkt der Iberischen Halbinsel und markiert den Übergang zwischen dem westlichen und zentralen Mittelmeer. Er wurde 1863 errichtet, ist 37 Meter hoch und steht auf einem erloschenen Vulkankegel, der scharf in das tiefblaue Meer stürzt. Das Feuer Fl(2) W 7s ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Der Naturpark Cabo de Gata-Níjar ringsum ist das größte Meeresschutzgebiet Spaniens am Mittelmeer. Wanderwege entlang der Vulkanklippen bieten ungehinderte Aussicht auf den Turm und das Kap.
10. Faro di Murano, Venedig
Der Leuchtturm auf der Insel Murano, bekannt für seine Glaskunst, steht am Ende des nördlichen Kanals der Insel und markiert das Fahrwasser des Lagunenbereichs zwischen Murano und Mestre. Der schlanke rote Backsteinturm aus dem 19. Jahrhundert ist 36 Meter hoch; das Feuer Fl R 3s ist auf 8 Seemeilen sichtbar. Er ist kein Hochsee-Leuchtturm, sondern ein Lagunenseezeichen – Teil des dichten Netzwerks von Boen, Tonnen und kleinen Feuern, das die Schifffahrt durch das venezianische Lagunensystem leitet. Murano ist per Vaporetto von Venedig in zwölf Minuten erreichbar; der Turm ist nicht öffentlich zugänglich.
Das Mittelmeer bietet Leuchtturmreisenden eine einzigartige Dichte maritimen Erbes auf vergleichsweise bequem erreichbaren Inseln und Küsten. Viele der bedeutendsten Türme sind Teil von Nationalparks oder Naturschutzgebieten und lassen sich mit Fähre, Linienbus oder Wanderweg erreichen. Der Frühling und Frühherbst, wenn die Tourismussaison abflaut, sind die besten Monate für ruhige Besuche. Karte öffnen, um alle Mittelmeerleuchtürme auf der interaktiven Karte zu entdecken.