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Die ältesten Leuchttürme der Welt

Was Alter bedeutet

Die Frage nach dem ältesten Leuchtturm der Welt ist komplexer als sie zunächst erscheint. Viele antike Strukturen, die als Leuchttürme verwendet wurden, sind vollständig verschwunden — der Pharos von Alexandria, die Leuchtfeuer Roms, die Wachtürme der phönizischen Handelsrouten. Was bleibt, ist selektiv erhalten: Bauten, die durch ihren strategischen Wert, ihr massives Mauerwerk oder ihre kontinuierliche Nutzung die Jahrhunderte überstanden. 'Ältester Leuchtturm' bedeutet daher in der Praxis: älteste erhaltene Struktur mit dokumentierter Funktion als Navigationsfeuer, die entweder noch aktiv betrieben wird oder ihren Originalzustand über einen langen Zeitraum erhalten hat.

Torre de Hércules, La Coruña, Spanien

Der Torre de Hércules ist die älteste erhaltene und noch aktive Leuchtturmstruktur der Welt. Der Turm steht auf einer Halbinsel nördlich von La Coruña an der galicischen Atlantikküste Spaniens. Seine ursprüngliche Substanz datiert aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. — Inschriften belegen eine Errichtung unter Kaiser Trajan, möglicherweise auf Grundlagen noch älterer Strukturen. Der Baumeister Gaius Sevius Lupus aus Aeminium (dem heutigen Coimbra in Portugal) ist durch eine Weihinschrift namentlich bekannt.

Der Turm wurde im späten 18. Jahrhundert umfassend renoviert: Zwischen 1788 und 1791 verkleidete der spanische Ingenieur Eustaquio Giannini die ramponierte antike Substanz mit einer neuen äußeren Steinverkleidung, erhöhte den Turm auf 55 Meter über dem Meeresspiegel und fügte eine neue Laternenkammer hinzu. Die Wendeltreppe im Inneren führt noch heute den Schraubenweg des römischen Originals nach. 2009 wurde der Torre de Hércules als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Er sendet heute Fl(4) WR 20s, sichtbar auf 23 Seemeilen, und ist aktiv für die Schifffahrt.

Phare de Cordouan, Gironde-Mündung, Frankreich

Cordouan ist ein Sonderfall: Der Turm wurde erst 1611 vollendet, aber er ist das älteste erhaltene Bauwerk in Europa, das von Beginn an ausschließlich als Leuchtturm gebaut wurde und heute noch als solcher funktioniert. Zudem ist er ein architektonisches Meisterwerk, das in keiner Weise wie ein funktionaler Seezeichenturm aussieht.

Der erste Leuchtturm an diesem Ort war ein hölzerner Turm des Schwarzen Prinzen Eduard von Woodstock aus dem 14. Jahrhundert. König Heinrich III. von Navarra beauftragte 1584 den Architekten Louis de Foix — der zuvor eine Hälfte des Irun-Flusses in einen anderen Kanal umgeleitet hatte — mit einem Neubau. De Foix entwarf einen Renaissancepalast auf einer Sandbank in der Gironde-Mündung: eine königliche Kapelle, Wohnräume für den Wärter, Festsäle und schließlich eine Laternenkammer oben. Der Turm ist 68 Meter hoch, vollständig aus weißem Kalkstein, ornamental verziert und steht auf einem Felssockel mitten in einem der tückischsten Gezeitengebiete Frankreichs.

2021 wurde Cordouan als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt — das erste aktive Leuchtturmdenkmal, das diese Auszeichnung erhielt. Das Feuer Oc(2+1) WR 12s trägt 22 Seemeilen. Bootstouren aus Royan und Le Verdon bringen Besucher bei gutem Wetter zum Turm.

Leuchtturm von Genua (La Lanterna), Italien

La Lanterna, der Leuchtturm von Genua, wurde erstmals 1128 schriftlich erwähnt, was ihn zu einem der ältesten dokumentierten Leuchttürme Europas macht. Der heutige Turm datiert im wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert und wurde mehrfach erneuert; er steht auf einem Hügelsporn oberhalb des alten Hafens von Genua. Mit 76 Metern Gesamthöhe war La Lanterna jahrhundertelang einer der höchsten Türme der Welt. Das heutige Feuer Fl(2) W 20s trägt 33 Seemeilen. Ein kleines Museum im Fuß des Turms zeigt die Leuchtturmgeschichte Genuas.

Hook Head, Irland

Hook Head Lighthouse auf der gleichnamigen Halbinsel in der Grafschaft Wexford, Irland, wird regelmäßig als einer der ältesten Leuchttürme der Welt bezeichnet. Ein Mönchsfeuer auf diesem Vorsprung soll bereits im 5. Jahrhundert von Dubhán, einem walisischen Mönch, unterhalten worden sein. Der heute stehende Turm aus lokalem grauem Sandstein datiert aus dem frühen 13. Jahrhundert und wurde von William Marshall, Earl of Pembroke, erbaut, um den Einfahrtsverkehr in den New Ross zu leiten. Er steht seit über achthundert Jahren auf diesem Felsen und ist noch heute aktiv: Fl W 3s, sichtbar auf 23 Seemeilen. Irish Lights betreibt ein Besuchszentrum am Fuß des Turms.

Kap Arkona, Rügen, Deutschland

Auf der Nordspitze der Insel Rügen in der Ostsee steht der älteste erhaltene Leuchtturm Deutschlands: ein viereckiger Backsteinturm, 1828 von Karl Friedrich Schinkel entworfen — dem bedeutendsten preußischen Architekten seiner Zeit. Schatten vorgenannter Gebäude aus dem Mittelmeerraum ist er jung, aber im deutschen Kontext ist er historisch. Daneben steht ein neueres zylindrisches Betriebsfeuer. Der Schinkel-Turm ist heute Museum; beide stehen auf dem Kap, das die gefährliche Nordspitze Rügens über der Ostsee markiert.

Warum diese Türme überlebten

Was den Torre de Hércules, Cordouan und Hook Head vereint, ist nicht nur ihr Alter, sondern die Kontinuität ihrer Nutzung. Sie überlebten nicht als Ruinen, sondern als aktive Infrastruktur: Generationen von Behörden investierten in ihre Erhaltung, weil der Ort strategisch unersetzlich war. Die Türme, die verschwanden — der Pharos, die römischen Hafenanlagen, die Wachfeuer der Hanse — wurden aus verschiedenen Gründen aufgegeben: Die Hafengeographie änderte sich, die Stadt, die sie finanzierte, fiel oder verarmte, oder das Bauwerk selbst war zu wenig solide, um Jahrhunderte zu überstehen.

Wer die ältesten Leuchttürme der Welt besuchen möchte, kann die Karte öffnen und die Standorte dieser historischen Strukturen direkt ansteuern.