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Der Pharos von Alexandria

Ein Turm für das Mittelmeer

Im Jahr 332 v. Chr. gründete Alexander der Große am Westdelta des Nils eine neue Stadt und gab ihr seinen Namen: Alexandria. Er selbst sah ihren Aufstieg nicht mehr — er starb 323 v. Chr. in Babylon — aber seine Nachfolger, die Ptolemäer, verwandelten Alexandria in die größte Stadt der antiken Welt, ein Zentrum des Handels, der Wissenschaft und der Macht, das zweihundert Jahre lang den östlichen Mittelmeerraum dominierte. Der Hafen dieser Stadt war ihr Herzstück, und der Pharos war das Herz des Hafens.

Das Problem war navigatorisch und praktisch. Der Küstenabschnitt vor Alexandria war flach, mit Riffen und Untiefen durchsetzt, und ohne markante Geländemerkmale, die einem ankommenden Schiff Orientierung boten. Die Insel Pharos, auf der der Leuchtturm errichtet werden sollte, lag etwa sieben Stadien (gut einen Kilometer) vom Festland entfernt und war durch eine aufgeschüttete Landbrücke verbunden, die Zugang bot. Es war der einzige Punkt in der unmittelbaren Hafenumgebung, der hoch genug lag, um ein Feuer über die flache Küstenebene hinaus sichtbar zu machen.

Der Bau unter Ptolemaios I. und II.

Der Bau des Pharos wurde unter Ptolemaios I. Soter begonnen und unter seinem Sohn Ptolemaios II. Philadelphos vollendet, wahrscheinlich um 280 v. Chr. Der verantwortliche Architekt war Sostratos von Knidos; eine Inschrift, die Plinius der Ältere überliefert, lautete auf Griechisch: 'Sostratos von Knidos, Sohn des Dexiphanes, den Göttern der Seefahrt zuliebe, zum Wohl der Schiffer.' Ob diese Inschrift am Turm selbst stand oder auf einem eigenen Kultstein, ist unter Historikern umstritten.

Die Baukosten werden in antiken Quellen auf 800 Talente Silber geschätzt — eine Summe, die selbst für das reiche ptolemäische Ägypten erheblich war. Das Material war weißer Marmor und lokaler Kalkstein; der gesamte Komplex stand auf einer Plattform aus großen Steinblöcken, die tief in das Meeresgestein verankert waren.

Die Architektur des Turms

Die antiken Beschreibungen des Pharos divergieren in den Zahlenangaben, lassen aber ein konsistentes Bild entstehen. Der Turm war in drei Sektionen gebaut: ein quadratischer Unterbau — möglicherweise 55 bis 60 Meter hoch — trug einen achteckigen Mittelabschnitt und darauf einen zylindrischen oberen Turm mit der Feuerkammer. Die Gesamthöhe wurde in verschiedenen Quellen zwischen 100 und 150 Metern angegeben; Schätzungen des modernen Forschungsstands tendieren zu etwa 120 bis 135 Metern, was den Pharos zur höchsten Struktur seiner Zeit nach den Großen Pyramiden gemacht hätte.

Auf der Plattform des zylindrischen Oberteils brannte das Feuer. Als Brennstoff diente vermutlich Holz oder möglicherweise Naphtha aus ägyptischen Quellen. Ob ein Spiegel zur Verstärkung und Bündelung des Lichts eingesetzt wurde — wie einige Quellen behaupten —, ist nicht gesichert. Antike Autoren schreiben dem Feuer enorme Reichweiten zu: bis zu 300 Stadien (etwa 55 Kilometer), was für eine ungestärkte Holzflamme selbst mit Spiegeln schwer glaubhaft ist, aber auf eine erhebliche Sichtbarkeit hindeutet, die die flache ägyptische Küste bei klarer Luft ermöglicht hätte.

Der Pharos in der Antike

Der Pharos blieb für siebzehnhundert Jahre in Betrieb. Er überstand die Römer, die Byzantiner, die islamische Eroberung Ägyptens — jede Herrschaft, die Alexandria kontrollierten, hielt den Turm instand, weil er für den Hafen unentbehrlich war. Arabische Geographen des 9. und 10. Jahrhunderts beschrieben ihn noch als funktionierende Navigationsstruktur. Der Historiker Ibn Jubayr aus Granada, der 1183 Alexandria besuchte, schrieb eine der letzten detaillierten Beschreibungen des intakten Turms.

Ein Erdbeben 956 und ein weiteres 1303 beschädigten ihn erheblich. Ein Bericht des marokkanischen Geographen Ibn Battuta aus seinem Besuch 1349 schildert einen baufälligen Ruinenturm, den er kaum betreten konnte; ein weiteres Beben 1375 soll das letzte der Turmstruktur gewesen sein. Zwischen 1480 und 1487 ließ Sultan Qaitbay aus dem Schutt des Pharos die Zitadelle errichten, die noch heute an der Stelle steht und große Teile des Leuchtturmmauerwerks wiederverwendet.

Archäologie auf dem Meeresboden

1994 begann der Unterwasserarchäologe Jean-Yves Empereur mit einer systematischen Untersuchung des Meeresbodens vor der Qaitbay-Zitadelle. Sein Team fand Hunderte von Steinelementen, die eindeutig von einem großen Bauwerk stammten: quadratische Blöcke, zylindrische Schäfte, Fragmente von Statuen — darunter Sphinxen und Obelisken aus der Zeit der Pharaonen, die möglicherweise den Eingang des Turms schmückten. Die Funde belegen sowohl die Lage als auch die Monumentalgröße des Pharos, geben aber wenig Aufschluss über seine genaue architektonische Form oberhalb des ersten Stockwerks.

Das Erbe des Namens

Das Griechische Wort 'Pharos' wurde durch den Ruhm des Alexandrinischen Turms zur allgemeinen Bezeichnung für Leuchtturm in vielen romanischen Sprachen: französisch 'phare', spanisch und portugiesisch 'faro', italienisch 'faro'. Das Wort ist ein sprachliches Fossil des antiken Weltwunders, das in jede Diskussion über Navigation hineinwirkt, wann immer ein Schiff einem 'phare' folgt.

Karte öffnen und den heutigen Standort des Pharos sowie die ältesten noch aktiven Leuchttürme der Welt erkunden.