Die 10 schönsten Leuchttürme auf den Kanarischen Inseln
Die Kanarischen Inseln liegen vor der westafrikanischen Küste, nur etwa 100 Kilometer von Marokko entfernt, und befinden sich seit dem 15. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft. Ihre strategische Lage — am Schnittpunkt der europäischen Atlantikrouten, der Verbindungen nach Westafrika und der Routen zu den Amerika — machte sie zu einem der wichtigsten nautischen Wegpunkte der Entdeckungszeit. Kolumbus legte auf seiner ersten Reise 1492 auf Gran Canaria und La Gomera an; danach wurden die Inseln zum Standardzwischenstopp für alle Atlantiküberquerungen. Der systematische Bau moderner Leuchttürme begann im 19. Jahrhundert unter der spanischen Kolonialverwaltung; die Commissión de Faros errichtete zwischen 1850 und 1920 die meisten der heute noch genutzten Haupttürme. Diese sind charakteristischerweise aus dem vulkanischen Basaltgestein der Inseln gebaut oder verputzt und weiß gekalkt, oft mit dekorativen Elementen im iberischen Stil. Heute unterhält die spanische Küstenwache (Dirección General de la Marina Mercante) alle aktiven Leuchtfeuer der Inseln.
1. Maspalomas Leuchtturm, Gran Canaria
Der Leuchtturm Maspalomas steht am südlichsten Punkt Gran Canarias, unmittelbar neben den berühmten Sanddünen von Maspalomas — einer der außergewöhnlichsten Naturlandschaften der spanischen Inseln. Er wurde 1890 fertiggestellt, entworfen von dem Ingenieur Juan León y Castillo, und ist 55 Meter hoch — einer der höchsten historischen Leuchttürme Spaniens. Das weiße, runde Bauwerk aus lokalem Kalkstein trägt eine Laternenkammer auf einem schmalen, balkonumrandeten Trommelaufbau. Das weiße Drehfeuer zeigt weiße und rote Sektoren; die Tragweite im weißen Sektor beträgt 22 Seemeilen. Der Turm markiert das Südkap der Insel für alle Schiffe auf der Atlantikroute zwischen Europa und Westafrika. Maspalomas ist eines der meistbesuchten Touristenzentren der Kanaren; der Leuchtturm kann von außen kostenlos besichtigt werden.
2. Faro de Fuencaliente, La Palma
La Palma ist die grünste und steilste der Kanarischen Inseln — eine Vulkaninsel, auf der 2021 der Cumbre-Vieja-Vulkan ausbrach und weite Teile des Südens unter Lavaströmen begrub. Der Leuchtturm Fuencaliente steht an der Südspitze der Insel und hat buchstäblich seinen Standort verändert: Die Lavaströme des alten Ausbruchs von 1971 erstreckten sich bis ans Meer und erweiterten die Landzunge; ein neuer Turm wurde 1985 etwa 200 Meter vom alten entfernt errichtet. Der alte Turm aus dem Jahr 1890 ist heute ein Museum; der neue, weiße 25-Meter-Turm zeigt ein weißes Blinkfeuer auf 20 Seemeilen. Die schwarze Lavalandschaft, die beide Türme umgibt, und der Kontrast mit dem tiefblauen Atlantik machen dies zu einem der fotogensten Orte des Archipels.
3. Punta de Anaga Leuchtturm, Teneriffa
Das Kap Anaga ist die wildeste und abgelegenste Ecke Teneriffas — ein zerklüftetes Gebirge im Nordosten der Insel, bedeckt von Lorbeerwäldern, die zu den ältesten Ökosystemen Europas gehören. Der Leuchtturm Punta de Anaga steht auf einem Felsvorsprung am äußersten Kap und ist nur auf einem langen, serpentinenreichen Weg vom Dorf Taganana erreichbar. Er wurde 1863 errichtet und zeigt ein weißes und rotes Sektorfeuer mit einer Tragweite von 22 Seemeilen; er markiert das Nordostkap für Schiffe, die die Straße zwischen Teneriffa und dem afrikanischen Kontinent passieren. Der Turm ist nicht öffentlich zugänglich, aber der Weg dorthin — durch den Anaga-Urwald — ist ein außerordentliches Naturerlebnis.
4. Faro de Orchilla, El Hierro
El Hierro ist die kleinste, abgelegenste und westlichste der Kanarischen Inseln — und historisch eine der bedeutendsten Koordinaten der Kartographie: Der Meridian von El Hierro (genauer: der Meridian des Faro de Orchilla) wurde von Ptolemäus und späteren Kartographen als Nullmeridian verwendet, bis Greenwich ihn im 19. Jahrhundert ablöste. Der Leuchtturm Orchilla wurde 1933 auf dem westlichsten Kap der Insel errichtet; der weiße Turm misst 27 Meter. Das weiße Drehfeuer hat eine Tragweite von 24 Seemeilen und markiert das westlichste Kap der gesamten EU. El Hierro ist als erste vollständig mit erneuerbaren Energien versorgte Insel der Welt bekannt und ein Ziel für Unterwasserfotografen, die die außergewöhnlich klaren Gewässer schätzen.
5. Punta Martino Leuchtturm, Lanzarote
Der Leuchtturm Punta Martino steht auf dem nordöstlichen Kap Lanzarotas, der vulkanischsten der Kanarischen Inseln. Der weiße Ziegelturm aus dem Jahr 1900 zeigt ein weißes Blinkfeuer mit einer Tragweite von 18 Seemeilen und markiert die Passage zwischen Lanzarote und Fuerteventura. Lanzarote ist bekannt für seine Mondlandschaft aus schwarzen Lavafeldern; der Leuchtturm fügt sich in diese kontrastreiche Szenerie ein. Der Ort ist vom Ferienort Costa Teguise per Fahrrad oder Mietwagen erreichbar.
6. Punta del Hidalgo Leuchtturm, Teneriffa
Am Nordkap Teneriffas, in dem kleinen Fischerort Punta del Hidalgo, steht ein moderner weißer Leuchtturm, der 1992 als Ersatz für ein älteres Leuchtfeuer errichtet wurde. Er markiert das Nordkap der Insel und die Passage zwischen Teneriffa und der kleinen Insel La Palma im Westen. Das weiße und rote Blinkfeuer ist auf 14 Seemeilen sichtbar. Punta del Hidalgo ist von der Touristenmasse weitgehend unberührt; der Ort hat ein paar Fischrestaurants und einen wilden, wellenumspülten Küstenweg, der nach Osten Richtung Taganana führt.
7. Rasca Leuchtturm, Teneriffa
Am Südkap Teneriffas, in der Nähe des Naturschutzgebiets Montaña Roja, steht der Leuchtturm Rasca. Der weiße Turm aus den 1970er Jahren zeigt ein weißes und rotes Sektorfeuer mit einer Tragweite von 22 Seemeilen; er markiert das Südkap für Schiffe auf der Westroute um Teneriffa. Das Kap ist bekannt für seine Sichtungen von Cetaceen (Pottwale und Delphine) und als Standort einer Wetter- und Meeresbeobachtungsstation. Der Leuchtturmweg beginnt am Strand von El Médano — einem der besten Windsurfstrände der Kanaren.
8. Entallada Leuchtturm, Fuerteventura
Der Leuchtturm Entallada steht auf einem spektakulären Steilkliff an der Ostküste Fuerteventuras — einem der visuell beeindruckendsten Orte des gesamten Archipels. Der weiße Turm aus dem Jahr 1953, 27 Meter hoch, überblickt das Meer aus einer Höhe von fast 200 Metern über dem Meeresspiegel. Das weiße und rote Sektorfeuer ist auf 22 Seemeilen sichtbar. Fuerteventura ist für seine weißen Sandstrände und seinen starken Wind bekannt; der Leuchtturm ist von der Ortschaft Las Playitas aus per Mietwagen erreichbar.
9. Sardina del Norte Leuchtturm, Gran Canaria
Am Nordwestkap Gran Canarias, in dem kleinen Fischerort Sardina del Norte, steht ein historischer Leuchtturm aus dem Jahr 1889. Der weiße Turm markiert das Kap für Schiffe auf der Route entlang der Nordwestküste der Insel. Das Feuer zeigt ein weißes Blinkfeuer mit einer Tragweite von 14 Seemeilen. Sardina del Norte ist eines der authentischsten Fischerdörfer Gran Canarias — mit einem lebhaften Sonntagsmarkt, frischen Meeresfrüchten und kaum touristischer Infrastruktur. Der Leuchtturm ist vom Dorfplatz aus zu Fuß in fünf Minuten erreichbar.
10. Isleta Leuchtturm, Las Palmas, Gran Canaria
Auf der kleinen Halbinsel La Isleta, die den Hafen von Las Palmas nördlich begrenzt, steht ein Leuchtturm aus dem frühen 20. Jahrhundert, der die Einfahrt in den Hafen von Las Palmas markiert. Der Hafen ist der größte der Kanarischen Inseln und Drehscheibe des Atlantikverkehrs; täglich laufen Kreuzfahrtschiffe, Container- und Tankschiffe ein. Das weiße und rote Blinkfeuer hat eine Tragweite von 18 Seemeilen. La Isleta ist ein lebhaftes Arbeiterviertel von Las Palmas mit engen Gassen, der ältesten Moschee der Kanarischen Inseln und einem direkten Blick auf den geschäftigen Hafen.
Praktische Hinweise
Die Kanarischen Inseln sind das ganzjährig mildeste Reiseziel Europas und per Direktflug von zahlreichen deutschen Flughäfen erreichbar. Gran Canaria und Teneriffa verfügen über die dichtesten Netze touristischer Infrastruktur; für abgelegenere Türme (El Hierro, Orchilla) empfiehlt sich ein Mietwagen. Inter-Insel-Verbindungen bieten Binter Canarias (Flug) und Fred Olsen / Naviera Armas (Fähre) an. Die meisten Leuchttürme des Archipels sind über öffentliche Wege und Küstenpfade zugänglich. Karte öffnen und alle Seezeichen der Kanarischen Inseln auf der interaktiven Karte erkunden.